Montag, 24. Februar 2014

Olympia in Kanada


Da es in Nordamerika kaum etwas wichtigeres gibt als Sport, sind die olympischen Winterspiele von Sotchi natürlich eine grosse Sache hier in Kanada. Bereits Wochen davor liefen unzählige Werbungen im Fernsehen und Geschäfte nutzten die popularität der Athleten um ihre Produkte zu vermarkten. In Talkshows wurde analysiert, prophezeit und spekuliert. Alleine die Auswahl der Spieler für die Eishockeymannschaft bot Gesprächsstoff für einen halben Tag und das Fernsehteam berichtete bereits zwei Stunden vor der Bekanntgabe der Athleten und diskutierte alle verschiedenen Szenarien. "The passion that unites us all" steht es auf der Zamboni, der Maschine die das Eisfeld präpariert. Die Leidenschaft die uns alle vereint. Und das spürt man hier auch wirklich. Für zwei Wochen schaut Kanada nach Russland. Doch nicht nur Eishockey dominiert die Schlagzeilen. Praktisch alle Sportarten werden mit grossem Interesse verfolgt und es wird tatkräftig mitgefiebert und mitgelitten, denn alle hoffen auf einen Sieg Kanadas. Während ich auf blickonline mit Geschichten über Miley Cyrus gelangweilt werden, lese ich in den kanadischen Zeitungen die emotionalen Momente des vergangenen Tages in Sotchi.

Der südliche Nachbar, die Vereinigten Staaten, gilt als der grosse Rivale des weissen Nordens und die beiden gönnen sich nichts. Obwohl in Sache Kultur und Lebensstil einige Parallelen herrschen, möge man hier jedes beliebige Land anfeuern, es sei denn die USA. Es hat gewissen Ähnlichkeiten mit Deutschland und der Schweiz. Sehen wir uns doch manchmal auch als besser an, wobei wir ohne die Deutschen wohl ziemlich verloren dastünden. Die Kanadier möchten sich klar vom südlichen Nachbarn unterscheiden und auf keinen Fall als Amerikaner betitelt werden.

In Kanada dominieren fünf Sportarten: Eishockey, Baseball, Basketball, Football und Lacrosse. Wobei letzteres der ursprüngliche Nationalsport war, wurde nach Einwänden der Bevölkerung entschieden, dass Eishockey als Winter-Nationalsport und Lacrosse als Sommer-Nationalsport im Gesetz verankert wird. Seit 1998 werden auch die Spiele der NHL unterbrochen, damit die beste Nationalmannschaft zur Goldmission geschickt werden kann. Während die Weltmeisterschaften als eher unwichtig betrachtet werden, ist der Ehrgeiz nach olympischem Gold sehr gross. Und dieses Jahr wurde die Nation des Ahornblattes für ihre Bemühungen belohnt. Sowohl die Frauen- wie auch die Männerdelegation holte Gold und sorgte für Jubel im ganzen Land. Doch während die Männer eher mässiges Spiel zeigte, waren es die Frauen, die unglaubliche Spannung erzeugten und sie liessen auch meine Fingernägel leiden. Da mit neun Stunden Zeitunterschied zu Sotchi die Spiele meist zu eher ungünstigen Tageszeiten stattfanden, wurde die Arbeit für einen Moment als zweitrangig eingestuft. Während im Hintergrund die Programmierung der Steuergeräte eines Lastwagens laufen, schauen wir uns die letzten Minuten des Frauenfinals an. Das Tor in der Nachspielzeit nach einer 0:2 Rücklage und einer unglaublichen Aufholjagd wird lauthals gefeiert. Doch dann kehrt auch wieder Ruhe ein und alle gehen zurück zur Arbeit.

Für das Goldspiel der Männer mussten gar Gesetzesausnahmen bewilligt werden. In Toronto darf zwischen zwei und elf Uhr morgens kein Alkohol über die Theke gehen. Da das Final aber am Sonntagmorgen war, beschloss der Stadtrat, dass dies ausnahmsweise erlaubt sei. Für die Fans tut man ja alles. So kam es also, dass ich am Sonntagmorgen um sieben Uhr in meinem Stammpub war und Crosby & Team anfeuerte. Es kann ja vorkommen, dass man um diese Zeit noch vom Vorabend unterwegs ist, aber um sechs für Bier und Eishockey aufzustehen, das war definitiv eine Premiere. Die Schweiz und Kanada konnten einiges an Edelmetall nach Hause nehmen und ich freue mich für die Athleten beider Länder.

Sonntagmorgen: Eine Nation schaut Eishockey

Freitag, 14. Februar 2014

Valentinstag

Der Tag der Liebe, des Zussamenseins, der Freundschaft oder der Familie. Oder einfach ein Tag wie jeder andere. Was es auch immer sein mag für den einzelnen von uns, aus der Schweiz kenne ich den Gedenktag des hingerichteten Valentins als praktisch rein kommerziellen Blumen- und Wellnesstag. In Kanada wird dieser doch einiges tiefgründiger gefeiert. Heute morgen fand jeder eine kleine Süssigkeit und Grusskarte an seinem Platz vor. Die Kinder tragen Kleider in den Farben rot, pink oder violett und bringen Karten für ihre Freunde zur Schule, auf denen sie ein paar nette Worte schreiben. Man wünscht sich einen "Happy Valentine's Day" und ist einfach noch ein bisschen netter als sonst. Für die Jugendlichen gibt es diverse Partys dem Motto entsprechend und viele geniessen ein etwas spezielleres Abendessen im Kreise der Familie. Bei mir gab es panierte Pouletbrust mit pinkem Kartoffelstock. Schmeckt zwar gleich wie herkömmlicher, wurde er doch aber mit viel mehr Liebe gekocht!