Da es in Nordamerika kaum etwas wichtigeres gibt als Sport, sind die olympischen Winterspiele von Sotchi natürlich eine grosse Sache hier in Kanada. Bereits Wochen davor liefen unzählige Werbungen im Fernsehen und Geschäfte nutzten die popularität der Athleten um ihre Produkte zu vermarkten. In Talkshows wurde analysiert, prophezeit und spekuliert. Alleine die Auswahl der Spieler für die Eishockeymannschaft bot Gesprächsstoff für einen halben Tag und das Fernsehteam berichtete bereits zwei Stunden vor der Bekanntgabe der Athleten und diskutierte alle verschiedenen Szenarien. "The passion that unites us all" steht es auf der Zamboni, der Maschine die das Eisfeld präpariert. Die Leidenschaft die uns alle vereint. Und das spürt man hier auch wirklich. Für zwei Wochen schaut Kanada nach Russland. Doch nicht nur Eishockey dominiert die Schlagzeilen. Praktisch alle Sportarten werden mit grossem Interesse verfolgt und es wird tatkräftig mitgefiebert und mitgelitten, denn alle hoffen auf einen Sieg Kanadas. Während ich auf blickonline mit Geschichten über Miley Cyrus gelangweilt werden, lese ich in den kanadischen Zeitungen die emotionalen Momente des vergangenen Tages in Sotchi.
Der südliche Nachbar, die Vereinigten Staaten, gilt als der grosse Rivale des weissen Nordens und die beiden gönnen sich nichts. Obwohl in Sache Kultur und Lebensstil einige
Parallelen herrschen, möge man hier jedes beliebige Land anfeuern, es sei denn die USA. Es hat gewissen Ähnlichkeiten mit Deutschland und der Schweiz. Sehen wir uns
doch manchmal auch als besser an, wobei wir ohne die Deutschen wohl
ziemlich verloren dastünden. Die Kanadier möchten sich klar vom südlichen Nachbarn
unterscheiden und auf keinen Fall als Amerikaner betitelt werden.
Für das Goldspiel der Männer mussten gar Gesetzesausnahmen bewilligt werden. In Toronto darf zwischen zwei und elf Uhr morgens kein Alkohol über die Theke gehen. Da das Final aber am Sonntagmorgen war, beschloss der Stadtrat, dass dies ausnahmsweise erlaubt sei. Für die Fans tut man ja alles. So kam es also, dass ich am Sonntagmorgen um sieben Uhr in meinem Stammpub war und Crosby & Team anfeuerte. Es kann ja vorkommen, dass man um diese Zeit noch vom Vorabend unterwegs ist, aber um sechs für Bier und Eishockey aufzustehen, das war definitiv eine Premiere. Die Schweiz und Kanada konnten einiges an Edelmetall nach Hause nehmen und ich freue mich für die Athleten beider Länder.
| Sonntagmorgen: Eine Nation schaut Eishockey |