Donnerstag, 3. Juli 2014

Schlag auf Schlag

Endlich! Nach einigen Wochen Unterbruch bin ich zurück mit neuer Berichterstattung. Es wäre falsch zu behaupten, ich hätte in den vergangenen sieben Wochen keine Zeit gehabt um einen neuen Beitrag zu schreiben. Auch dass es keine Neuigkeiten gäbe wäre wohl gelogen, im Gegenteil. Bei mir ist so einiges geschehen. Ich fasse die Schlagzeilen nun in einem Eintrag zusammen:

Detroit Music Festival

Ende Mai ging es mit vier Freunden aus Irland und England ans Movement Festival im Herzen von Detroit. Alle sind wie ich mit einer Arbeitsbewilligung hier und leben in Toronto. Eine vierstündige Autofahrt brachte uns an die Grenze von Kanada und den Vereinigten Staaten. Die Stadt auf der kanadischen Seite ist Windsor, auf der anderen Seite befindet sich die einst blühende Grossstadt Detroit, die vorallem durch den wirtschaftlichen Boom in der Autoindustrie bekannt wurde. Die Fahrzeugkonzerne General Motors, Chrysler und Ford hatten in Detroit ihren Hauptsitz. Doch während vor 60 Jahren die Stadt zu den wirtschaftlich einflussreichsten Regionen der Vereinigten Staaten gehörte, ist sie heute eine Geisterstadt mit tausenden verlassenen Häusern und bekannt für die höchste Kriminalitätsrate in den USA. Die Stadt musste letztes Jahr Insolvenz anmelden und versucht bislang vergeblich, aus der jahrelanger Krise herauszukommen. Die Fakten und Bilder sind sehr eindrücklich. Menschenleere Strassen, niedergebrannte Häuser und verlassene Gebäude. Die Behörden wie Polizei und Sanität arbeiten zum Mindestlohn, Taxifahrer tragen eine Waffe und ein nächtlicher Spaziergang ausserhalb Downtown wäre reiner Selbstmord. Doch genug von der Stadt, denn über "Motor City" selbst könnte man endlos berichten. Auch wer Eminem kennt weiss, dass Detroit mit seiner 8 Mile Heimatstadt des weltberühmten Rappers ist. Neben der Industriegeschichte hat die Stadt auch einen musikalischen Hintergrund.
Auf dem Hart Plaza, mitten in Detroit und just neben unserem Hotel Renaissance findet eines der grössten Elektromusikfestivals von Nordamerika statt. Es reisen Menschen aus aller Welt an und die Kulisse schafft eine einzigartige Atmosphäre. Detroit wird vorübergehend zum Partyzentrum. Laut offiziellen Zahlen kommen über 100'000 Personen für dieses Wochenende in die Stadt am Detroit River. Und doch ist es ein friedliches und angenehmes Fest, das neben den krassen Eindrücken des Strassenbildes für viele tolle Erinnerungen steht. Einige Fotos davon findet ihr hier.


Die Arbeit und meine Sommerpläne

Am 13. Juni hatte ich meinen letzten Arbeitstag bei der Vision Truck Group, die Firma änderte ihren Namen (ehemals Performance Equipment) Ende Mai. Aufgrund meiner Sommer- und Reisepläne kündigte ich das Arbeitsverhältnis termingerecht mit der einwöchigen Kündigungsfrist. Obwohl ich mich mit meinem Team bestens verstand und mit den Arbeitskameraden ein sehr gutes Verhältnis pflegte, deckten sich meine Ansichten nie wirklich mit denen der höheren Etagen und mit der Zeit schwand die eigene Motivation für eine qualitative Arbeit. Meiner Meinung nach wird einfach zu stark auf die Quantität gesetzt, die Zahlen auf dem Papier sind massgebend und der Mensch an sich wird in den Hintergrund gerückt. Aber auch der Arbeitsweg wurde zur Belastung. Langzeitbaustellen und Verkehrsüberlastungen erhöhten meine tägliche Zeit im Auto auf über zwei Stunden. Zudem möchte ich natürlich nicht nur Erfahrungen in einem einzelnen Betrieb sammeln, denn so wäre ein späteres Fazit aus meinem Projekt Kanada auch nicht gerechtfertigt. Das Fotoalbum meiner Arbeit bei Volvo ist somit abgeschlossen und beinhaltet übrigens nun auch einen Einblick in meinen mittlerweilen recht gut ausgestatteten Werkzeugwagen.
Momentan genisse ich die freie Zeit und arbeite gelegentlich bei der Nachbarin oder für Sarah und Billy an kleinen Reparatur- und Rennovationsprojekten. Bald schon kommt der erste Besuch aus der Schweiz. Den Sommer werde ich also mit Familie und Freunden auf Reise verbringen. In den Wochen zwischendurch möchte ich weiterhin etwas Sackgeld mit Gelegenheitsarbeit verdienen und möglichst viel aus dem so berühmten kanadischen Sommer herausholen. Im Herbst geht es dann wieder zurück zur Arbeit als Vollzeitangestellter. Irgendwo in Kanada, aber nicht wieder bei Volvo & Mack in Toronto.
Die geplante Reise im Juni auf eigene Faust konnte bis jetzt leider noch nicht umgesetzt werden. Neben einigen administrativen Komplikationen ist auch noch kein geeignetes Reisemobil gefunden. Doch wenn es soweit ist - hier erfahrt ihr es bestimmt!


Fussballweltmeisterschaft in Brasilien

Während vier Jahren existiert der beliebteste Sport Europas kaum in Nordamerika. Nur vereinzelte Fans verfolgen die Spiele um das runde Leder. Doch dann, wenn es wieder soweit ist, schiessen hier Ballexperten und Flankenprofis aus dem Boden, als es nie etwas anderes gegeben hätte. Die WM ist also auch hier eine grosse Sache und durch die vielen Immigranten in Toronto findet man Fans von allen teilnehmenden Ländern. Ich erfuhr von Swiss Connection, einer kleinen Gruppe von in Toronto lebenden Auslandschweizern. So hatte also auch unsere Schweizer Nati eine winzige Fangemeinde hier, die sich in einem Restaurant traf um bei den Spielen mitzufiebern. Ich persönlich war nie dort, sondern verfolgte unsere Begegnungen in meiner Stammbar oder bei Freunden. Erstens, weil das gewählte Lokal der Swiss Connection nicht gerade in meiner Nähe ist und zweitens, weil ich ganz erhlich gesagt nicht nach Kanada ging, um mich mit vielen anderen Schweizer zu treffen. Auf jeden Fall nützen schlussendlich auch mein Anfeuern und die Fluchworte nicht und ich muss mir wohl einen anderen Favoriten auswählen. Es bleibt ja noch mehr als eine Woche, bis wieder Baseball & Co. die Bildschirme der kanadischen Bars dominieren.

Festivalsommer und WorldPride Toronto

Der Sommer ist da (der Winter vorüber!) und Toronto blüht. Nicht nur die Bäume in den unzähligen Parks, sondern die ganze Stadt mit all ihren Festen und Veranstaltungen. Dieses Jahr besonderns, denn anstatt der jährlichen Schwulen- und Lesbenparade GayPride, war Toronto nun Gastgeber der Worldpride. Es soll die grösste Parade in der Geschichte der Homo- und Bissexuellen gewesen sein. Regenbogenfahnen waren überall zu sehen und die Strassen im "Village", dem Schwulen- und Lesbenviertel, waren für die Woche vom 20. bis 29. Juni gestossen voll. Für praktisch jede Bar und jedes Pub musste man Schlange stehen, die Pärke waren mit Besuchern aus aller Welt überfüllt und jeden Abend gab es Konzerte und andere Events. Ein ziemlich buntes Schauspiel.
Doch auch sonst hat die Stadt nun so einiges zu bieten. Jedes Feiertagwochenende findet ein Festival auf den Inseln von Toronto statt, das sogenannte Electric Island. Die Atmosphäre am See, der so gross ist wie die Schweiz, ist unbeschreiblich. Die Stimmung ist aufgeheitert und die Kulisse erinnert ein wenig an das Festival des Arcs. Ebenfalls besuchte ich das Digital Dreams Festival, das wohl grösste Festival in Toronto. Tickets für kommende Veranstaltungen hängen auch schon an der Pinnwand und die Vorfreude für weitere Erinnerungen ist gross! Fotos davon findet ihr hier!

Im Übrigen habe ich das Fotoarchiv ansonsten noch ergänzt und aktualisiert. Obwohl ich kein grosser Paparazzi sein mag wenn ich unterwegs bin - ein Einblick lohnt sich auf jeden Fall!