Der 20. September 2014 war lange bereits in meiner Agenda farbig markiert. Als abschliessende Reise für diesen unglaublichen Sommer war der Trip mit meinen vier Freunden Lukas, Mario, Samuel und Sebastian geplant und an dem Samstag war es dann endlich soweit. Die Eckdaten unseres Zeitplans hatten wir bereits früh festgelegt, aber was genau dazwischen geschehen würde war noch völlig offen. Wir hatten uns für die Mietung eines Wohnmobils entschieden und setzten die Städte Toronto, Montreal und New York auf die Ferienliste. Die Fotos zur Reise findet ihr hier!
Die ersten paar Tage verbrachten wir in Toronto und ich machte den Touristenführer. Da ich das nun schon mit allen Besuchern gemacht hatte, weiss ich genau wo die guten Aussichtspunkte und die interessanten Orte sind. Nach über einem Jahr in Toronto kenne ich die Stadt natürlich auch schon sehr gut und doch macht es mir immer Spass, neue Leute herumzuführen und die kanadischen Sitten näher zu bringen. Ausserdam gibt es auch für mich jedesmal wieder Neues zu entdecken. Wir speisten im chicen Restaurant auf dem CN Tower, welches sich langsam um die eigene Achse dreht. So sitzt man 350 Meter über der Stadt und hat einen herrlichen Ausblick über ganz Toronto. Eine komplette Umdrehung dauert 45 Minuten und dadurch, dass wir für den frühen Abend reserviert hatten, konnten wir die Verwandlung vom beschäftigtem Alltagsleben der Stadt zur eindrücklichen Nachtsilhouette direkt mitverfolgen. Ausserdem düsten wir dem Velos über die Insel vor Toronto, die als Naherholungsgebiet der Stadt gelten, schlenderten durch die Gassen des Kensington Marktes und verbrachten die Abende mit Beizentours und Billiard spielen. Samuel konnte sogar seinen Geburtstag in Toronto feiern. Ebenfalls besuchten wir Billy bei der Arbeit und durften eine kleine Führung im Krankenwagen geniessen. Ich glaube es gibt wenige Dinge die Billy lieber macht, als Leuten seine Arbeitswerkzeuge vorzustellen. Die zufällig anwesenden Polizisten gewährten uns dann auch einen Einblick in ihr Fahrzeug, erklärten ihre Ausrüstung und erzählten vom Berufsalltag. Als Gegenleistung für das traditionelle Truthahnessen, welches wir von Sarah und Billy aufgetischt bekamen, servierten wir den Gastgebern ein feines Raclette mit schweizer und kanadischem Käse.
23. - 25. September; Niagarafälle und unterwegs
Am Dienstag gingen wir dann los um unser reserviertes Wohnmobil abzuholen. Obwohl wir eigentlich wussten, was wir gemietet haben, waren wir von der grösse des Fahrzeuges doch ziemlich überrascht. Es hatte für alle fünf Personen Schlafplätze, eine kleine Küche, eine Toilette und Dusche. Das eine Bett liess sich zu zwei Sitzbänken mit Esstisch umbauen, ein anderes zum bequemen Sofa. Eigentliche Sitze wie man es vom Auto kennt hatte es nur zwei, die anderen konnten auf den Sitzbänken oder dem Sofa Platz nehmen. Wir fuhren zuerst wieder zurück zur Hiawatha Road um alles Material und unser Gepäck einzuladen. Endlich startklar fuhren wir in unserem Pfuusbus los Richtung Niagarafälle. Da es schon relativ spät abends war, entschieden wir uns einfach aus Toronto zu kommen und übernachteten im Bronte Creek Provinzpark nahe Oakville. Das Wohnmobil löste manche Probleme, mit denen ich zuvor auf meinen Roadtrips mit dem Auto zeitintensive Lösungen brauchte. Zum Beispiel hatten wir einen Kühlschrank, der mit Propan lief. So gab es keine Kühltruhen mehr, die ständig mit neuem Eis ausgestatten werden mussten. Zudem hatten wir stets fliessendes Wasser und bei kurzfristigen Stopps musste nicht zuerst alles aufgebaut werden, um im Trockenen kochen oder schlafen zu können.

Am nächsten Tag schafften wir es dann problemlos zu den berühmten Wasserfällen, bei welchen ein ganze Touristenstadt mit Kino, Geisterhaus, Spielpark und Minigolf erbaut wurde. Mich persönlich beeindrucken die vielen Hotels weniger, dafür aber die Stromnutzung der imensen Wasserkraft der Fälle umso mehr. Nämlich wird tagsüber bis zu die Hälfte des Wassers abgezweigt und in Kraftwerken zur Stromproduktion verwendet. Das liefert Elektrizität für über 160'000 Haushalte. Nachts und ausserhalb der Touristensaison steigt dieser Wert nochmals an, doch in einem Abkommen zwischen Kanada und den USA ist die zu nützende Wassermenge geregelt, damit die Fälle weiterhin eine Touristenattraktion bleiben.
Unser nächstes Ziel war der Algonquin Park. Obwohl ich dieses Jahr schon einige Tage dort verbrachte, ist es ein Ort von dem man nie genug bekommt. Wir übernachteten auf dem Weg dorthin in der Nähe von Orillia. Statt wie bei der ersten Übernachtung auf einem Zeltplatz zu campen, beschlossen wir uns bei eigentlichen Reisestopps, die ja nur zum Essen und Schlafen dienten, einfach irgendwo ausserhalb eines Dorfes oder einer Stadt einen geeigneten Ort zu finden. So konnten wir uns einige Dollars sparen und hatten teilweise gar auch eine schönere Kulisse.
25. - 29. September; Rock Lake Zeltplatz und Whitney
Wir checkten für drei Nächte auf dem Rock Lake Zeltplatz im Algonquin Park ein. Das Wetter war für die Jahreszeit hervorragend. Es gab während dieser Zeit keine Wolke am Himmel zu sehen und die Bäume strahlten richtig in den Farben des Indian Summers. Noch nie hatte ich einen solchen Besucheransturm im Park gesehn, sogar der Feldweg zum Zeltplatz war vollgeparkt. Um noch eine bessere Aussicht zu haben, unternahmen wir eine kleine Wanderung auf die nahegelgenen Felsen. Obwohl ich vor einem Jahr bereits einmal dort war, hatte mir das Landschaftbild fast die Sprache verschlagen. Der Kontrast vom blauem Wasser des Sees zu den knallgelben und roten Blätter der Bäumen ist einfach nur wunderschön.

Obwohl die Wassertemperatur nun gegenüber während den Sommermonaten beträchtlich gesunken war, hielt uns das vor einem Bad im kühlen Nass nicht ab. Zudem verbrachten wir die Zeit zwischen den Mahlzeiten mit Karten spielen, Holz sammeln, Musik hören, fischen und faulenzen. Bald wurde ich zum Truppenkoch, konnte mich dafür aber von jegendlicher Putzarbeit ungestraft fernhalten. Obwohl wir nicht immer alle einer Meinung waren lebte es sich ausgesprochen gut so und wir konnten unsere Zeit auf dem Zeltplatz geniessen.
Nach einer eher chaotischen Planungssitzung entschlossen wir uns, nach den drei Nächten im Park für eine Übernachtung ins nahegelegene Whitney zu fahren, dort unseren Proviant aufzurüsten und Kanus zu mieten um dann für zwei weitere Nächte im Park interior zu gehen. Auf dem Weg dorthin konnten wir ein weiteres Highlight verbuchen. Nachdem ich einige Autos am Strassenrand sah, hielt ich mit unserem Pfuusbus sofort an um die Attraktion der Besucher zu erspähen. Schnell fanden wir die Elchkuh zwischen den nahegelegenen Bäumen und konnten ihr für eine Weile beim Fressen zusehen. Sie liess sich von den Menschen nicht stören und schritt gemütlich durchs hohe Gras.
In Whitney dann leerten wir im lokalen Lebensmittelladen die Regale und suchten uns einen gemütlichen Ort um den restlichen Tag und die kommende Nacht zu verbringen. Wir fanden einen schönen Platz an einem kleinen See, der uns gleich ein weiteres berühmtes Tier aus Kanada näher brachte. Während wir bei einer Runde Poker den Bluff des anderen zu erkennen glaubten, schwamm ein Biber seelenruhig an uns vorbei und suchte sich Pflanzen zum Fressen. Ich konnte zwar bereits eindrückliche Spuren an den Bäumen dieser Tiere begutachten, doch so nahe dem Nagetier zu sein war schon sehr speziell.
29. Septmeber - 2. Oktober; Backcountrycamping Gailery Lake und Nahe Ottawa
Wir parkten also unser Wohnmobil und ladeten Zelte und Gepäck in die zwei gemieteten Kanus ein. Normalerweise ist man zu zweit in einem Kanu. Da wir aber zu fünft in unserer Gruppe unterwegs waren, hatten wir ein zweier und ein dreier Kanu. Der, der das Kanu steuert sitzt ganz hinten, die anderen brauchen bloss zu paddeln. Es sieht auf den ersten Anblick kinderleicht aus, ist aber doch etwas gewöhnungsbedürftig. Vorallem hat man mit all den Personen und dem Gepäck doch etwas Gewicht geladen und ein Kippen des Kanus würde die Reise definitiv nicht erleichtern. Doch wir hatten uns bald eingespielt und konnten den Rock Lake in etwa zwei Stunden überqueren. Dann ging es um die Portage. Das heisst das ganze Gepäck wird ausgeladen und zum nächsten See getragen, so auch die Kanus. Da unser Übernachtungssee der Gailery Lake nur etwa 100 Meter vom Rock Lake entfernt ist, war es eine schnelle und einfache Portage. Trotzdem gönnten wir uns eine kurze Pause vor der Weiterfahrt und machten uns dann auf die Suche nach einem geeignetem Zeltplatz am Ufer des Gailerysees. Bald dachten wir uns aber, dass es doch noch viel toller wäre, auf einer der Inseln zu bleiben anstatt am Ufer zu zelten. So fanden wir eine kleine Insel die etwas über 100 Meter lang, an der grössten Stelle vielleicht 50 Meter breit war und genau einen Zeltplatz hatte. Für uns also perfekt. Wir richteten unser Lager für zwei Nächte ein. Die Lebensmittel haben alle ebenfalls mit dem Gepäck mitgenommen. Das war auch sehr gut so, denn hier hatten wir trotz intensivem Versuchen weniger Erfolg mit dem Fischen. Gekocht haben wir auf dem offenen Feuer und die restliche Zeit haben wir uns wieder mit den klassischen Campingbeschäftigungen verbracht: Fischen, Kanu fahren und schlafen.

Nach zwei Tagen in der Wildnis räumten wir unser Lager wieder zusammen und paddelten zurück zum Parkplatz am Rock Lake. Dort wartete unser Pfuusbus und wir alle genossen eine warme Dusche. Wir verliessen nun den Algonquin Park definitiv und machten uns auf Richtung Montreal. An diesem Tag erreichten wir Ottawa und fanden wieder ein abgelegenen Platz zum Übernachten.
2. - 5. Oktober; Montreal, Grenzübergang, Coxsackie und Philadelphia
Montreal liegt nur etwa zwei Stunden von Ottawa und so nutzten wir den letzten Tag mit dem Camper um unsere Kleider zu waschen und die ganze Zeltausrüstung von Montreal nach Toronto zurück zu schicken. Denn wir wollten von Montreal aus mit einem Mietauto nach New York City in den Vereinigten Staaten fahren. Also schliefen wir nochmal im Wohnmobil in der Nähe von Montreal bevor wir uns dann am Freitagmorgen definitiv von unserem Pfuusbus verabschieden mussten. Leider mussten wir von unserer Reiseversicherung gebrauch machen, denn ein geplatzter Reifen eines Lastwagens auf der Autobahn hatte unserem Fahrzeugaufbau einen kleinen Schaden zugefügt. Aber für etwas hat man ja eben solche Versicherungen. Vom Fahrzeugvermieter nahmen wir ein Taxis in die Innenstadt und bezogen unser Hotel. Von Montreal hatte ich so viele gute Dinge gehört, dass eine einzelne Nacht schon etwas wenig war um die Stadt richtig zu erkunden. Wir holten aber das Beste aus der Situation und legten viel Strecke zu Fuss zurück. Den Abend dann verbrachten wir in verschiedenen Bars und folgten dem Tipp einer Serviererin für ein Lokal mit DJ.
Am nächsten Tag regnete es das erste Mal seit wir in Toronto waren und wir beschlossen gleich unser Mietauto abzuholen. Kaum aus Montreal draussen fanden wir uns an der Grenze zu den Staaten wieder. Einige Minuten und ein paar unnötige Fragen später dann befanden wir uns im Land der umbegrenzten Möglichkeiten. Wir fuhren südlich auf dem Highway 87 bis nach Albany, wo wir uns ein Motel für eine Nacht suchten. Das Red Carpet Inn in Coxsackie wurde dann zu unserer Raststätte. Dann ging es weiter nach Philadelphia wo wieder unser Mietauto zurück brachten und mit dem Zug nach New York fuhren.
5. - 8. Oktober; New York City
Und dann war es endlich soweit, wir kamen in Manhattan an. Der Bahnhof Pennsylvania Station, kurz Penn Station genannt, ist wie die Grand Central Station ein wichtiger Verkehrsknoten in Manhattan. Er fungiert vorallem als Durchgangsbahnhof für den West-Ost-Verkehr. Züge kommen im westlich von New Jersey durch den Hudson River Tunnel und östlich von Long Island City durch den East River Tunnel.
Gleich neben der Penn Station befand sich unsere Unterkunft in New York, das Hotel Pennsylvania. Wir bezogen unsere beiden Zimmer und machten uns danach glauch auf, die Stadt zu besichtigen. Es war schon Abend gewesen und so entschlossen wir uns, den kurzen Fussmarsch zum Times Square zu machen. Und dann kam die Reizüberflutung. Toronto mag ja schon eine grosse Stadt zu sein mit digitalen Werbeanzeigen an den Gebäuden und so. Aber was sich uns hier für ein Bild bot war schon beeindruckend. Überall flimmern Models und Produkte über riesige Fernseher und beleuchten den ganzen Platz. Es wimmelt von Touristen und die Geschäfte sind auch spät abeneds noch voller Kunden. Im Prinzip ist es ähnlich wie der Yonge-Dundas Square in Toronto, einfach noch hundert Mal grösser und intensiver. Nach einer Mahlzeit und einem Bier erklärten wir den Tag für beendet und gingen ins Hotel zurück.
Wir konnten unsere Zeit in Manhattan gut nutzen und viele Dinge sehen. Um jeweils etwa 9 Uhr verliessen wir das Hotel und stärkten uns für den Tag bei ausgiebigem Frühstück. Wir besichtigten den Flugzeugträger Interpid, welcher den Angriff der Japaner auf Pearl Harbor überlebt hatte. Auf diesem riesigem Schiff befindet sich ebenfalls die Raumfähre Enterprise, welche als Prototyp für das Space Shuttle Programm der NASA. Natürlich besuchten wir die riesigen Gebäude der Stadt, das Empire State Building und das neue World Trade Center mit dem Ground Zero Denkmal. Der neue Turm strahlt in seinem Glanz und bereitet einem starke Nacken- und Kieferschmerzen wenn man davor steht. Wir liefen durch die berühmte Wall Street wo Millionenbeträge umgesetzt werden und so mancher schon sein ganze Investitionen verlor. Beeindruckend war auch die grosse Halle des Grand Central Terminals, dem grössten Bahnhof der Welt. Mit dem Fahrrad durchquerten wir den Central Park, der meiner Meinung nach zwar sehr schön sein mag, in dieser Hinsicht aber definitiv nicht an die Inseln von Toronto herankommt.
Um noch einen besseren Überblick über die ganze Stadt zu erhalten setzten sich drei von uns in einen Helikopter. Während Mario und Lukas auf dem Boden blieben, genossen Samuel, Sebastian und ich die Aussicht von der Vogelperspektive. Über die Freiheitsstatue dem Hudson River entlang bis zum Yankee Baseballstadium und zurück führte diese zwanzig minütige Tour. Und hier wurde mir nocheinmal richtig klar: Was in Toronto als Downtown gilt, ist hier gerade Mal zwei Häuserblocks gross. Der Stadtteil Manhattan erstreckt sich über 20 Kilometer und ist neben den Bronx, Brooklyn, Queens und Staten Island nur einer der fünf Stadtteilen von New York City.
Als sich dann am 8. Oktober unsere Wege trennten und vier von uns wieder nach Zürich flogen, während ich mich ins Flugzeug nach Toronto setzte, stellte ich eines klar: New York, ich werde wieder kommen!