Montag, 26. August 2013

Algonquin Provincial Park


Während wir Schweizer oftmals im Sommer nach Griechenland fliegen oder die Ferien in Ägypten verbringen, gibt es bei den Kanadiern eigentlich nur eines: Camping!

Egal ob Teenager, Senioren oder ganze Familien mit Kleinkindern, die meisten geniessen ihren Urlaub am Campingfeuer. So durften auch ich die Gelegenheit nutzen und mit der Familie Young in den Norden fahren. Das Ziel war der Campingplatz am Rock Lake im Algonquin Park. Ein Nationalpark in Ontario der etwas grösser als der Kanton Graubünden ist und neben fast 2500 Seen eine unglaubliche Wald- und Felsenlandschaft umfasst. Er bietet Lebensraum für Elche, Bären, Biber, Vögel und Fische. So gehört natürlich eine Angelrute genauso zur Ausrüstung wie das Zelt oder der Camper. Fischen lernt man in Kanada sowieso gleich nach dem Laufen!

Man kann den Park auf Land- und Wasserwege erforschen. Es führen Routen durch die Wälder und von den Bergen (für Schweizer eher Hügel) kann man eine atemberaubende Aussicht geniessen. Das grosse Abenteuer aber findet im Kanu statt und nennt sich Portage. Man paddelt im Kanu zu zweit oder zu dritt über den See, den Köder am Silch natürlich immer im Wasser. Erreicht man das andere Ufer, wird die Ausrüstung und das Kanu auf die Schultern geladen und zum nächsten See getragen. Übernachtet werden darf nur an den dafür vorgesehenen Stellen, es ist immernoch ein Nationalpark und somit "unberührte" Natur. So kann man mehrere Tage im Busch verbringen und sich vom Fisch und den mitgebrachten Vorräten ernähren. Denn Strom, einen Supermarkt oder eine Telefonzelle gibts es nicht. Dafür schmeckt das Wasser von der Quelle viel besser als aus jedem Wasserhahn.


Aufgrund des Alters der Kinder konnten wir nur eine eintägige Portage zu dritt machen. Doch eine mehrtägige Reise im Kanu steht ganz oben auf meiner To Do Liste. Ich hoffe dies nach meiner Arbeitszeit in Angriff nehmen zu können, also in etwa 12 bis 18 Monaten.
Doch auch eine eintägige Portage ist bereits ein Abenteuer. Wir überquerten den Rock Lake aus Zeitgründen mit dem 6 PS Motorboot, das Kanu im Schlepptau. Danach trugen wird das Kanu und die Ausrüstung durch den Wald zum Pen Lake, auf welchem wir den Nachmittag mit Fischen in bis zu 30 Meter Tiefe verbrachten. Hier sind Motorboote sowieso nicht mehr erlaubt. Während das einzige Geräusch der Wind war, der über das Wasser gleitete, war eine Seeforelle leider auch der einzige Fisch an diesem Tag, der auf unsere Köder biss.

Seeforelle: Der einzige Fischerfolg an diesem Tag

Möchte man in Ufernähe fischen, so beisst eher mal ein Barsch zu. Diese bevorzugten die Würmer und konnten zu gewissen Tageszeiten relativ erfolgreich gefangen werden. Nahe an Wasserpflanzen und schattigen Plätzen hat man besonders grosse Chancen.

Barsch: Ein willkommener Snack für Zwischendurch





Neben dem Fischen verbrachte ich die sieben Tag am Rock Lake vorallem mit Schwimmen, Bootfahren, Kinder hüten oder einfach gemütlich am Campingfeuer zu sitzen. Auf jeden Fall ist der Besuch eines solchen Parkes ein Muss für jeden Kanadatourist!

Panne: Der Vergaser ist verstopft. WD-40 hilft!
Booth Rock: Wanderung mit unglaublichen Aussicht











Klippensprung: Adrenalin und Erfrischung garantiert
 


Fischerkoffer: Meine neuste Errungenschaft



Montag, 5. August 2013

Die Reise

Packen, Verkaufen, Entsorgen, Verstauen
Bereits einige Tage vor dem Abschiedsfest hatte ich damit begonnen meine Wohnung zu räumen und persönliche Dinge zu verstauen. Das stellte sich leider aber schnell als viel zeitaufwändiger und nervenberaubender heraus als ich vorerst angenommen hatte. Mitnehmen? Verkaufen? Im Estrich verstauen? Oder gar entsorgen? Diese Fragen musste ich mir bei ach so manche Dingen stellen. Bei meinem Ausverkauf im Juni konnte ich zwar einiges los werden, doch war dies trotzdem noch lange nicht alles.
So füllten sich Bananenschachtel um Bananenschachtel und auch die Entsorgungsfirma Obrist durfte über 260 kg Material entgegennehmen. Für die durch den Transport der Möbel enstandenen Ruhestörungen im Wohnhaus musste ich mich bei den im Block wohnenden Nachbarn entschuldigen. Na gut, wer will schon unter der Woche morgens um halb zwei Uhr schlafen?!


Jedenfalls schaffte ich es dank grosser Unterstützung meiner drei Geschwister und der Freundin eines Bruders die Wohnung termingerecht auf Vordermann zu bringen und die Steuererklärungen für die Jahre 2012 und 2013 bei der Gemeinde einzuwerfen. Am Freitagabend konnte ich den letzten Abfallsack zuschnüren und mich für das Vorabend-Check-In auf den Weg zum Flughafen machen.

Koffer 1, Koffer 2, Mountainbike, Snowboard
Am Check-In Schalter stellte sich heraus, dass es sich definitiv gelohnt hat für eine höhere Freigepäckgrenze die teurere Klasse zu buchen. Statt den üblich erlaubten beiden Gepäckstücken à 23 kg durfte ich jeweils 32 kg pro Koffer packen und statt 10 kg Handgepäck 20 kg ins Flugzeug nehmen. Durch den Transport von Werkzeug konnte ich diese Limite auch ziemlich gut ausschöpfen. Mit meinem Wagen voller Gepäck brachte ich die Dame am Schalter sichtlich aus dem Konzept. Einigen Diskussionen über Freigrenzen, Gepäckstücke, Aufpreise und Computerprobleme später konnte ich nach einer kurzen Neuverpackung des Mountainbikes folgendes Gepäck aufgeben:

1. Koffer:              30.1 kg
2. Koffer:             30.0 kg
Mountainbike:   23.3 kg
Snowboard:           8.7 kg

Zu diesen 92.1 kg kamen dann noch etwas mehr als 20 kg Handgepäck. Hier konnte ich gut die Limite etwas überschreiten, da dieses Gepäck nicht auf der Waage landet.
Als dann die Gebühren bezahlt waren und ich einen kleinen Teil wieder auspacken musste, war die Dame mindestens so froh wie wir, dass wir uns wieder Richtung Ehrendingen machen konnten. Fazit: Trotz modernster Technik und globaler Vernetzung ist für ein Check-In mit so viel Gepäck mit enormem Zeitaufwand zu rechnen und ausreichend Geduld nur von Vorteil.


Zürich - Reykjavik / Reykjavik - Toronto
Nach einem ausgiebigem Familienbrunch ging es am Samstagmittag wieder zum Flughafen. Neben der Familie kamen fünf Freunde um mir eine gute Reise zu wünschen. Trotz der grossen Vorfreude auf die kommende Zeit zieht ein solcher Abschied nicht spurenlos an einem vorbei. Doch um etwas Neues zu wagen muss man Vertrautes zurücklassen. Das gilt es zu akzeptieren.
Nachdem Kaffee und einigen Tränen geflossen waren, sass ich schon im Flugzeug und sah die Schweiz verschwinden. Ungefähr vier Stunden in der Luft, einer etwas besseren Flugzeugmahlzeit und dem Film Hangover 2 später, landete ich in Island. Ohne Zwischenfälle und nach kurzer Wartezeit in Reykjavik sass ich auch schon wieder in einem Flugzeug und steuerte mein Endziel Toronto an. Diese sechs Stunden Flugzeit verbrachte mit dem Verzehren der selben Mahlzeit wie im ersten Flug, einem weiteren Film und mehreren unbequemen Schlafminuten.


 
Passkontrolle, Immigrationszentrum, Gepäckausgabe, Zoll
Um 19 Uhr Ortszeit bin ich planmässig in Toronto gelandet. Der Papierkram beim Immigrationsbüro war viel schneller erledigt als ich mir gedacht hatte. Nach wenigen Minuten konnte ich mit der Arbeitsbewilligung das Büro verlassen. Diese Effizienz aber bestätigte sich bei der Gepäckausgabe leider nicht mehr. Nach 40 Minuten Warten konnte auch ich endlich mein Fahrrad vom Förderband nehmen. Beim Zoll wiederum wurden meine Befürchtungen erfreulicherweise nicht wahr. Ohne mit den Wimpern zu zucken liess mich der Herr freundlich passieren und ich schritt zügig Richtung Ausgang wo bereits mein Freund Billy auf mich wartete. Es ist schon ein komisches Gefühl, das komplette Hab und Gut (zumindest für die nächste Zeit) auf einem kleinen Wagen vor sich her zu schieben. Zusätzlich zum Gepäck auf dem Bild trage ich einen Rucksack in der Grösse des kleinen braunen Koffers. Das ist alles.

Nach einer kurzen Autofahrt konnte ich in mein neues Zuhause einziehen ...


Abschiedsfest


Das Abschiedsfest am Mittwoch war einfach unglaublich! Vielen Dank für die tollen Geschenke, die Texte auf der Fahne und die lustigen Erinnerungsfotos. Das Werkzeug ist bereits ausgepackt und die Schweizerflagge ziert die Wand von meinem neuen Zuhause. Ich habe mich über die vielen Gäste sehr gefreut und konnte diesen Abend in vollen Zügen geniessen. Herzlichen Dank allen!