Montag, 12. Mai 2014

Meine Arbeit bei Volvo

Injektoren: Ersetzen der Hülsen
Nach nun über acht Monaten bei Volvo möchte ich etwas ausführlicher über meine Arbeit als kanadischer Lastwagenmechaniker berichten. Nach einigen Schwierigkeiten zu Beginn bin ich voll im Alltagsrhythmus angekommen. Der Zeitdruck belastet mich zwar weniger, doch bin ich nach wie vor überzeugt, dass die Qualität darunter leidet. Ich konnte einiges an Routine gewinnen und möchte meinen Job genauer vorstellen:
Da viele der Kundenfahrzeuge grossen Transportunternehmen angehören, werden Servicearbeiten wie der Ölwechsel meistens in betriebseigenen Werkstätten vorgenommen und es gehört bei mir eher zur seltener Arbeit. Die Motorstörlampe ist sicherlich einer der besten Auftragsgebern unserere Werkstatt. Die Diagnose und damit verbundenen Reparatur gehört zu den häufigsten Arbeitsabläufen. Dabei handelt es sich oftmals um Probleme im Abgassystem (Abgasrückführung, Dieselpartikelfilter, Abgasnachbehandlung) oder um elektrische und elektronische Defekte wie Unterbrüche im Kabelstrang oder defekte Sensoren. Undichte oder verstopfte Abgaskühler gehören fast zur tagesordnung. Ebenfalls häufig ersetzen wir undichte Ölkühlerabdeckungen, Auspuffkollektoren und Injektorhülsen. Das Erneuern der Kupplung gehört auch hier in Kanada zu den regelmässigen Arbeiten.

Unsere Niederlassung bietet speziell auch Motorrevisionen an. Dies ist im Vergleich zum Autogewerbe eine lohnende Investition und seit meiner Anstellung im September habe ich sicher bereits fünf dieser Aufträge in der Werkstatt gesehen. Die meisten Volvos haben hier übrigens einen D13 Reihen-6 Motor unter der Haube, erhältlich von 375 bis 500 PS. Seltener sieht man D11 oder D16 Motoren von Volvo bis maximal 550 PS oder aber auch Cummins MP7 oder MP8. Dass die Auslastung dieser Fahrzeuge hier in einer ganz anderen Liga stattfindet als in der kleinen Schweiz, sieht man neben der verstärkten Ausstattung an den zurückgelegten Strecken der Lastwagen. So hatte ich kürzlich einen Lkw Jahrgang 2005 mit 1'721'000 Kilometern und 28'000 Betriebsstunden. Ein Fahrzeug in der Schweiz mit über einer Million km auf dem Tacho ist schon eher eine Seltenheit.
Volvo bietet wie erwähnt neben den eigenen Motoren auch ihre Fahrzeuge mit Cumminsmotoren an. Dies ist in Nordamerika üblich, da es auch einige Motorenhersteller gibt, die keine Lastwagen bauen. Die bekanntesten sind sicherlich Detroit Diesel, Caterpillar und Cummins. Mühsam für die Diagnose ist, dass es einer anderen Software und einem anderen Adapter bedarft. Persönlich habe ich noch kaum an Cummins gearbeitet, doch scheinen sie bei den Mechanikern nicht so beliebt zu sein.

Einen weiterer Unterschied zum europäischem Modell bietet die Elektronik. Während ich mich an ein 24-Volt-System gewohnt bin, basiert hier alles auf 12 Volt bei vier parallel geschalteten Batterien. Dies ist nicht komplizierter oder einfacher, jedoch sorgte es bei der Fehlersuche anfänglich für Verwirrung und ist ein weiterer Punkt, der meine Lehre aus dem Projekt Kanada unterstützt: Hier läuft alles genau gleich, einfach ganz anders!

In Kanada gibt es keine jährliche MFK (Motorfahrzeugkontrolle) wie es bei uns in der Schweiz üblich ist. Anstelle der Inspektion durch eine Behörde, erfolgt eine Sicherheitsprüfung in einem zertifizierten Betrieb. So müssen wir zwar auch eine Checkliste durcharbeiten, jedoch ist es auch der Betrieb, der das ganze absegnet. Diese Prüfung erfolgt auf einem weit weniger hohem Niveau wie ich es vom Strassenverkehrsamt kenne. Die Lastwagen sind hier zwar meist im guten Zustand, jedoch ist beispielsweise der Bremsprüfstand ein Fremdwort. Die Bremsen werden lediglich optisch beurteilt, eine effektive Messung wird nie durchgeführt. Ebenso gelten undichte Stellen nicht als Sicherheitspunkt. Bei den Autos ist es noch viel extremer. Aus mir unbekannten Gründen muss beim Pkw nämlich nur dann eine Sicherheitsprüfung vorgenommen werden, wenn ein Halterwechsel erfolgt. So muss das Auto also beim Neueinlösen geprüft sein, jedoch kann es nachfolgend ohne weiteres auf der Strasse unterwegs sein. Und so kommt es auch, dass mir schon einige Rostbeulen begegnet sind, welche wohl als allgemeines Sicherheitsrisiko gelten sollten.

Als Unterschied grundsätzlich stellte ich fest, dass hier wesentlich mehr und vertieft Motorenarbeiten geleistet wird. Dafür aber ist die Bandbreite der Arbeiten kleiner, beschränkt es sich doch fast ausschliesslich auf den Antriebsstrang und die Elektronik. Während ich in Wettingen, Getriebe revidierte, Anpassungen an Fahrzeugen nach Kundenwunsch machte, Aufbauarbeiten im Bereich Hydraulik und Pneumatik ausübte und die ganze MFK und LSVA Richtlinien befolgen musste, brachte fast jeder Tag eine neue Herausforderung und ich wusste selten, was am folgenden Morgen auf mich zukommen würde. Da wir bei Volvo & Mack fast ausschliesslich Sattelzugmaschinen in der Kundschaft haben, fallen die Aufbauarbeiten weg. Getriebe werden hier ebenfalls nicht revidiert, höchstens die Schaltplatte mit den Schaltgabeln und der Steuerung ersetzt. Anhänger und Auflieger kommen erst gar nicht in die Werkstatt und somit ist die Variation der Fahrzeuge ziemlich beschränkt. Ab und zu arbeite ich an einem vier achsigem Fahrzeug mit Hakengerät oder an einem Müllwagen mit flacher Front.


Während man in der Schweiz kaum LkWs mit der langen Haube sieht, muss man hier genau nach den uns so gut bekannten flachen Kabinen Ausschau halten. Es wird als unsicher angesehen und hat sicherlich auch einiges mit Prestige zu tun. Die Fahrzeuge müssen aber auch nicht durch enge Gassen in der Altstadt manövrieren oder die vielen Kurven eines Passes überwinden. Hier hat man Platz und die Route ist grösstenteils flach und über Land. Zwischen Toronto und Vancouver gibt es nun mal keine Engpässe und die Städte sind vergleichsweise jung und grosszügig im Platz gebaut.
Volvo ist die einzige europäische Marke, die sich wirklich in Nordamerika etablieren konnte. Sie ist eine grosse Konkurrenz zu den Amerikanern wie Kenworth, International, Mack und Freightliner. Obwohl letzteres wie Mercedes-Benz zum Dailmer-Konzern gehört und in den Motoren einiges vom silbernen Stern steckt, gibt es hier keine Mercedes-Benz Lastwagen wie in Europa. Ebenso würde man vergeblich nach einem Scania oder MAN ausschau halten.

Weitere Fotos von meinen Arbeitsaufträgen oder anderen Reparatur findet ihr hier und viele andere Bilder aus Kanada im Fotoarchiv!

Dienstag, 6. Mai 2014

Steuern

Wie auch in der Schweiz, kommt in Kanada mit dem Frühling die Steuererklärung ins Haus. Wer hier Geld verdient, der muss Steuern zahlen. Und das nicht zu knapp. Neben hohen Versicherungsgebühren ist das Land auch für eher hohe Steuern bekannt. Diese bezahlt man direkt vom Lohn wie auch die Pensionskasse, Arbeitslosenkasse und den anderen Abzügen. So hat man zwar auf den ersten Blick nicht viel in der Tasche, fliessen bei mir fast einen Viertel des Gehaltes zum Staat, jedoch flattert dafür auch keine dicke Steuerrechnung ins Haus.
Die Steuererklärung muss natürlich dennoch ausgefüllt werden und je nach Fall bezahlt man noch nach oder bekommt eine Rückvergütung für zuviel bezahlte Steuern. Die Einkommenssteuer hängt von der Höhe des versteuerbaren Einkommens ab, beginnend bei 15% für die ersten 43'953 kanadischen Dollar. Für nochmals denselben Betrag bezahlt man dann bereits 22% Steuern, dann 26% und für über 136'270 Dollar werden dann 29% abgezogen. Ähnlich wie das EasyTax gibt es auch hier ein Programm zum ausfüllen der Steuererklärung. TurboTax bringt einem Schritt für Schritt durch alle Formulare und Dokumente. Nach dem Durcharbeiten der Software wird einem gleich die Differenz angezeigt. Ich hatte erfreulicherweise zuviel Steuern bezahlt und sollte eine Gutschrift erhalten. Jedoch musste ich als Neuling in Kanada die Unterlagen ausdrucken und einschicken. Erst nach der Überprüfung steht fest, wieviel mir effektiv zusteht. Wenn man aber bereits ein ganzes Jahr in Kanada lebt und arbeitet, gibt es keinen Papierkram mehr und alles kann online eingereicht werden. Wie mir auch bereits bei der Arbeitsbewilligung aufgefallen ist, schätzen die kanadischen Behörden den technischen Fortschritt und lassen viele Dinge komplett im Internet erledigen.

Trotz tieferen Preise für Lebensmittel und alltäglichen Gebrauchsgegenständen ist das Leben hier also nicht günstig. Die Telefongebühren sind etwa gleich, für die Autoversicherung bezahle ich hier fast das sechsfache als in der Schweiz und das mit wesentlich schlechteren Vertragsbedingungen. Auf der anderen Seite bietet die Stadt dafür manche Dinge umsonst an. Die Benützung des Eisfeldes im Winter und des Schwimmbades im Sommer im nahegelegenen Park sind kostenlos. Es gibt viele Konzerte, Festivals und andere Veranstaltungen für die keinen Eintritt verlangt werden und so gleicht es sich am Ende wieder aus. Und wenn auch nicht, das Leben in der Stadt ist in Kanada nun einmal wesentlich teuerer als auf dem Lande.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Ferien in der Schweiz


Die Überraschung war gelungen und sorgte für einige verwirrte Gesichter in Ehrendingen. Im März buchte ich bei Air Canada den Flug Toronto - Zürich retour und schmiedete die Pläne, meine Schwester für ihren 30. Geburtstag zu besuchen. Mit einigen erfundenen Geschichten zur Ablenkung und dem Vorschlag, am Festival des Arcs im Juni in der Schweiz zu sein, war der Weg frei für mich. Doch nicht nur sie freute sich unglaublich darüber, dass ich zu diesem Anlass extra in die alte Heimat flog. Mich plagte eine schlaflose Nacht vor dem Abflug, konnte ich es doch kaum erwarten, all meine Freunde und Familie wiederzusehen. Die Reise hat sich allemal gelohnt.


Direkt nach der Arbeit am Mittwoch nahm ich das Taxi zum Flughafen und sass kurze Zeit später an Board der Maschine. In Zürich angekommen nahm ich den Zug nach Brugg und schaute bei Bettina im Büro vorbei. Obwohl sie noch keine Stunde am Pult sass, musste ihre Kollegin die restlichen Arbeitsstunden alleine bewältigen. Vielen Dank dafür, denn so konnte Bettina kurzfristig frei nehmen und wir sassen wenig später in der strahlenden Sonne beim Mittagessen. Zwei weitere Überraschungsbesuche an diesem Nachmittag bei Freunden auf der Arbeit standen auf dem Programm und den Abend verbrachte ich mit Freunden in der alten Stammbeiz, dem Bistro Ampère.

Der Freitag startete mit einem feinem Zmittag bei den Nachbarn. Ein Wiedersehen mit den ehemaligen Arbeitskollegen war von Beginn an geplant, verlangten doch viele bei der Abreise über das Mechanikersein und die nordamerikanischen Lastwagen in Kanada informiert zu werden. Zufälligerweise fand am Freitag das Abschlussessen von drei Mitarbeitern statt und so war auch schnell klar, wo ich an diesem Abend verweilen werde. Trotz einer Erkältung und dem Fehlen meiner Stimme, konnte ich so einiges von meinen Erfahrungen und Eindrücken erzählen.

Am Samstag dann die grosse Party, der runde Geburtstag von Bettina mit über hundert geladenen Gästen. Arbeitskollegen, Feuerwehrkameraden, Festivalfreunde und Familienmitglieder aus der ganzen Schweiz fanden sich in der Waldhütte in Freienwil ein. Die Pizza vom umgebauten Feuerwehrauto war fantastisch und es blieben keine hungrige Mäuler übrig. Das Dessertbuffet hätte so manches Konditoreischaufenster alt aussehen lassen, hatte es etwas für jeden Geschmack zu bieten. Alles war durchdacht und organisiert, nur der Tisch für die Geschenke hätte wohl noch etwas grösser sein können, denn die Gäste zögerten nicht damit, zu zeigen, was Bettina für eine grosse Rolle in ihrem Umfeld spielt und wie fest sie in den Herzen allen verankert ist. Obwohl das Wetter sich am Abend zunehmend verschlechterte und der Regen in Strömen niederprasselte, liessen wir uns die gute Stimmung nicht nehmen und feierten bis spät in die Nacht. Es war ein tolles Fest.


Der Sonntag dann verbrachte ich grösstenteils im Bett. Ein Treffen mit vier Freunden am späteren Nachmittag galt zur Planung unserer Campingferien in Kanada im kommenden Herbst. Die Ideen und Gedanken liessen mich auf einen tolle Zeit mit vielen Abenteuern freuen. Wo wird es uns wohl hinführen? Hoffentlich sehen wir einiges vom kanadischen Wildleben, am besten einen Bären natürlich!
Wegen dem vollen Terminkalender hatte ich meine Eltern noch kaum gesehen und so war ich am Sonntag zum Nachtessen in der Windelburg eingeladen. Anschliessend besuchte ich die neue WG von Freunden in Baden und traf mich mit einem Freund in der Stadt. Gemeinsame Geschichten wurden ausgegraben und liessen uns an die alten Zeiten erinnern.

Mit dem Montag brach bereits der letzte Tag meiner Ferien in der Schweiz an. Und wieder konnte ich davon profitieren, bekocht zu werden. Ich wurde von einer Kollegin zum Zmittag eingeladen. Ich genoss es sehr viele alte Freunde und Bekannte wiederzusehen, war es auch nur für eine kurze Zeit. Eine weitere Wohnungsbesichtigung folgte an diesem Nachmittag und am Abend trafen wir uns in einer kleinen Runde im Restaurant Höhtal. In meinen fünf Tagen in der Schweiz hatte ich dreimal Cordon-Bleu, zweimal Kebab und einmal Rösti mit Bratwurst. Das sind nun eben die kulinarischen Aspekte, die in Kanada manchmal etwas zu kurz kommen.

Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg nach Kloten. Achteinhalb Stunden später landete der Direktflug in Toronto und ich sass im Taxi auf dem Weg zur Arbeit, die sich ja nur unweit vom Flughafen befindet. Die zwölf Stunden in der Werkstatt kamen mir vor wie eine Ewigkeit und ich war froh, als ich morgens um 3 Uhr endlich Feierabend hatte. Eine nächtliche Irrfahrt aufgrund von gesperrten Autobahnen verzögerte meine Ankunft zu Hause und als ich endlich unter die Bettdecke kroch, war ich einfach erleichtert, dass dieser 27-Stunden-Tag endlich zu Ende war. Obwohl es nur ein kurzer Aufenthalt in der Schweiz war, konnte ich ihn in vollen Zügen geniessen und war nicht traurig darüber, wieder in mein neues Zuhause zurückzukehren. Leider muss ich den Besuch am Festival des Arcs absagen, war er nur ein Vorwand um meine Überraschung zu organisieren. Doch ich freue mich unglaublich auf all die Gäste, die ich in den kommenden Monaten in Kanada begrüssen darf.