Kanada ist nach Russland das zweitgrösste Land der Erde und hat so einiges zu bieten. Bekannt ist Kanada ja vorallem für unendliche Wildnis und die farbenreiche Natur, die vorallem im Herbst mit dem Indian Summer einen Augenschmaus ist. Man kann monatelang durch das Land reisen und hat trotzdem nur einen kleinen Teil gesehen. Aber irgendwo muss man ja Mal beginnen. Und ich tat dies mit meiner Schwester Bettina und ihrem Freund Pascal, die für etwas mehr als zwei Wochen auf Besuch waren. Ein Roadtrip, den ich wohl nie vergessen werde. Die Fotos findet ihr hier!
17. - 19. Juli; Toronto - Killbear
Das Highlight war eindeutig das schweizerisch-kanadische Nachtessen, bei dem wir mit Familie und Freunden ein feines Käsefondue (mit Käse aus der Migros) und leckere Hot Dogs verzehrten. Der Bootsmotor wollte wie letztes Jahr wieder einmal nicht so wie sein Besitzer, und da man dies nicht mit einem Defibrillator nicht flicken kann, war es dem Rettungssanitäter Billy gerade recht, dass ein Mechaniker auf Platz war. Bald brummten wir gemütlich im Schlauchboot über das Wasser. Die Fische jedoch wollten dieses Mal nicht beissen.
19. - 22. Juli; Killbear - Quebec City
Am Samstagmorgen machten wir uns dann auf den Weg nach Quebec City. Die 900 Kilometer konnten wir aber nicht an einem Tag zurücklegen und so schliefen wir eine Nacht in unseren Zelten im Rideau River Park nahe Ottawa. Da wir uns dazu beschlossen hatten auf unserer Reise eher Landschaft und Natur zu erkunden, wählten wir Quebec City als einzige Stadt auf unserer Liste zu besichtigen. Am 20. Juli dort angekommen bezogen wir ein Zimmer für zwei Nächte im Best Western Motel. Die Stadt ist bekannt für ihre schöne Altstadt, die kleinen Gassen und das Schloss Frontenac, eines der luxuriösesten Hotels Kanadas. Hier gilt es aber anzumerken, dass "alt" in Nordamerika eine ganz andere Bedeutung hat als wir es in Europa kennen. Während wir Burgen und Schlösser älter als tausend Jahre haben ist die Quebec mit 400 Jahren vergleichsweise jung. Das sieht man auch rasch wenn man durch die Strassen geht, steckt in den Fassaden der Häuser manchmal viel Mühe, dass sie auch wirklich alt aussehen.
Kulinarisch wird in Quebec wohl der Crêpe am meisten Aufmerksamkeit geschenkt. Natürlich haben die Restaurants der Stadt die allerbesten Eieromeletten des Landes, ja wenn nicht der ganzen Welt. Und diese gibt es in sämtlichen Variationen. Meine Wahl fiel auf eine Crêpe mit Hummer und Rahmsauce. Ein echter Leckerbissen und nur empfehlenswert.
Der Geisterlauf, eine Stadtführung zur späteren Stunde, war eine interessante und humorvolle Sache. Unser Tourführer erzählte von den dunkleren Seiten der Stadt, mit Geschichten über gesunkene Schiffe, gehängte Mördern und spukenden Geistern.
22. - 24. Juli; Quebec City - Moncton (mit Gaspésie)
Über die Pont Pierre-Laporte verliessen wir die Stadt und fuhren nordöstlich Richtung Gaspé Bay. Noch wussten wir nicht, dass diese uns gross erscheinende Brücke nur eine kurze Bachüberquerung war, verglichen dazu was uns noch erwarten würde. Die Fahrt entlang der Südseite des St. Lawrence Stromes gehört zu den bekannteren Strecken in Kanada, fährt man während vielen Kilometer nur wenige Meter neben der Atlantik Einmündung entlang. Der Fluss entwässert die fünf grossen Seen und endet als riesige Meeresbucht. Ganz östlich im Zipfel der Gaspésie Halbinsel befindet sich der Nationalpark Forillon, welcher unser Zuhause für eine Nacht wurde. Dort genoss ich auch meine erster Badeplausch im kanadischen Atlantik. Ein Punkt auf meiner Kanada-To-Do-Liste weniger.
Weiter ging es nun zuerst westlich durch eine eher hügelige Landschaft nach Campbellton wo wir zurück auf dem Highway uns südlich bis nach Moncton in New Brunswick kämpfte. Nach einem langem Tag im Auto nahmen wir ein Zimmer in einem Motel in der Stadt. Dass wir uns seit Campbellton und somit mehr als 300 Kilometern in einer anderen Zeitzone befanden (+1 Std.), merkten wir auch erst, als ich den Herrn an der Reception freundlich darauf hinweiste, dass die Uhr an der Wand wohl nicht stimme. Nach Ravioli aus der Büchse und der Planung für den nächsten Tag erholten wir uns von den Reisestrapazen mit Schlaf in den bequemen Betten.
24. - 26. Juli; Moncton - Shediac (mit Tatamagouche und Prince Edward Island)
Nach dem gestrigen Reisetag wollten wir die nächsten Tage weniger hinter dem Steuer verbringen. Wir fuhren ins nahegelegene Shediac und schlugen im Parlee Beach Park unsere Zelte für zwei Nächte auf.
Am ersten Abend konnten wir ein weiterer Punkt auf unserer Reiseliste abhaken. Wir nahmen im Speisewagen des CN-Zuges Platz. Im Vergleich zu den Verspätungen der SBB in der Schweiz war dieser Zug aber eine ziemliche Katastrophe, denn nach zwei Stunden sahen wir vom Fenster immernoch das Bahnhofsgebäude von Tatamagouche. Doch das war auch richtig so. Das 2'000-Seelen Dorf ist stolzer Besitzer der Train Station Inn, einem Hotel und Restaurant mit Schlaf- und Essensmöglichkeiten in einem der restaurierten Wagons von den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Besitzer haben viel Arbeit in ihre Oldtimersammlung gesteckt und betreiben nun mit Leidenschaft ein kleines Unternehmen.
Das Abendessen schmeckte mir zwar sehr lecker, doch musste es in der Seafood Chowder eine Zutat gegeben haben, die meinem Magen nicht passte. Die Meeresfrüchtesuppe und das Tenderloin Steak verliessen wenige Stunden später meinen Magen wieder und ich erwachte am nächsten Morgen mit einem rot gepunkteten Ausschlag um die Augen herum. Doch das war es mir Wert!
Auf die Insel kommt man entweder mit der Fähre oder - und hier kommt der erwähnte Grössenunterschied - über die 13 Kilometer lange Brücke. Das Bauwerk wurde erst 1997 fertiggestellt und stiess vorallem bei Bewohnern der Insel auf grossen Widerstand. Immerhin wird sie wohl eines Tages mit den üppigen 45 Dollar Gebühren einen finanziellen Nutzen bringen. Mit den 62 Brückenpfeilern gehört sie auf jeden Fall zu den top Touristenattraktionen von PEI.
Charlottetwon ist die Hauptstadt und mit 35'000 Einwohnern auch mit Abstand die grösste Ortschaft. Die Häuser findet man in bunten Farben bestrichen und sind jeweils äusserst gepflegt. Es wird grossen Wert auf das Ortsbild gelegt, was man von anderen Städten Kanadas nicht behaupten kann.
Als wir am Abend auf den Zeltplatz zurückkehrten, mussten wir feststellen, dass wir unglücklicherweise den falschen Platz besetzt hatten. Die Nummer war unklar platziert und so hatten wir unsere Zelte auf dem Abteil von anderen aufgeschlagen. Mit der typischen kanadischen Freundlichkeit aber entschuldigten sich die Betroffenen bei uns für die Situation und dass sie aus Platzmangel nun ihr Auto auf unserem eigentlichem und leeren Abteil abgestellt hatten. Wir wiederum bestätigten mit einer Tafel Berner Bärenschoggi das Schweizerklischee und bald sassen wir bei einem Bier am Feuer.
26. - 28. Juli; Shediac - Fundy Nationalpark
Am Samstag stand ein nächstes Higlight unserer Ostküstenreise auf dem Programm. Die Besichtigung der Hopewell Rocks in der Bay of Fundy. Die Bucht ist bekannt für die grössten Gezeitenunterschiede der Welt. Bis zu 21 Meter beträgt der Meeresspiegelunterschied zwischen Ebbe und Flut. Als wir gegen Mittag eintrafen, war Flut und neben den blumentopfartigen Felsen im Wasser bot sich kein so spektakulärer Anblick. Wir fuhren in den nahegelegenen Fundy Nationalpark und bezogen Stellung. Weil uns der Park sehr gut gefiel und viele Ausflugsmöglichkeiten zu bieten hatte, beschlossen wir, uns für zwei Nächte einzurichten. Nach einer Verpflegungspause machten wir uns auf den Weg zurück zur Fundy Bucht.
6 Stunden und 13 Minuten später bot uns nun ein ganz anderes Bild. Das Meer hat sich unglaublich weit zurückgezogen. An den flachen Stellen war das Ufer einige hundert Meter weiter innen und es bot sich eine braun-graue Landschaft von Schlamm und Matsch. An anderen Stellen kamen ganze Felsen zum Vorschein und die Stahltreppe führte nun nicht mehr mitten ins Wasser, sondern auf den Grund des Ozeans. Wir machten einen Spaziergang und bestaunten die eigentlichen Grössen der Felsen, die zuvor noch eher klein und unspektakulär erschienen sind. Weder der Besuch nur bei Flut oder nur bei Ebbe ist empfehlenswert. Der Vorher-Nacher-Effekt löst das Staunen aus.
Eine andere Route, die vorallem zur Beobachtung von Bieber und Elchen geeignet sei, bot uns zwar auch schöne Bilder, doch das Wild suchten wir leider vergebens.
28. - 29. Juli; Gananoque - Toronto (mit 1000 Inseln)
Am nächsten Tag galt es sich auf den Rückweg zu machen. Wir entschieden uns für einen ausschliesslichen Reisetag, wollten wir am kommenden Tag gegen Mittag in Toronto sein. Wir wechselten uns wie bisher mit fahren ab und legten an diesem Rekordtag über 1250 Kilometer zurück. Wir kamen nun die Weiten Kanadas so richtig zu spüren. Während man hier für Stunden mit Tempomat die Bremse nur noch für Benzin- und WC-Pausen braucht, kann man in der Schweiz ja kaum fünf Minuten am Geschwindigkeitslimit fahren. Die nächste Baustelle kommt bestimmt bald. Spät abends in Gananoque angekommen gönnten wir uns für die letzte Nacht nochmals ein Motel.
Auf die letzte Nacht folgt üblicherweise der letzte Tag. Da wir unserem Zeitplan nun etwas voraus waren, konnten wir einen Abstecher zu den 1000 Islands machen. Eine Ansammlung von unzähligen (wahrscheinlich um die tausend) Inseln bieten einen tollen Anblick. Manche sind gerade Mal so gross, dass ein kleiner Holzschuppen darauf Platz findet. Andere wiederum sind Boden für grosse Schlösser oder teure Villen. Eine Schifffahrt brachte uns eine nähere Sicht auf einige der Inseln. Für einen surrealen Anblick sorgen auch die riesigen Containerschiffe, die durch das Labyrinth von Inseln steuern müssen.
Die restliche Autofahrt war nur noch ein kurzer Ausflug für uns. Wir kamen erschöpft aber mit vielen tollen Erinnerungen in Toronto an und konnten das Auto fristgerecht und sauber geputzt der Kollegin zurückgeben.
Zahlen und Fakten der Reise
-Über 5'700 Kilometer
-570 Liter Benzin für 760 kanadische Dollars
-unzählige beeindruckende Erinnerungen

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