Freitag, 19. September 2014

Filmfestival Toronto

Das internationale Filmfestival in Toronto, auch kurz Tiff genannt, ist nach Cannes das zweitgrösse Festivals der Hollywoodstars. Weil Toronto Gastgeber dieser Leinwandshows ist und auch viele Filme in der Stadt gedreht werden, wird sie auch Hollywood Nord genannt. Das Tiff zeigte während elf Tagen über 300 Filme von mehr als 60 Ländern aus aller Welt. Natürlich wollte ich mir die Gelegenheit nicht nehmen lassen, mich unter die Crème de la Crème zu mischen.
Das Tiff in Toronto zu verfehlen ist etwa so schwierig wie der Street Parade in Zürich auszuweichen. Strassen werden gesperrt, der Verkehr umgeleitet und die Menschenschlangen für die Vorführungen wachsen auf mehrere hundert Meter an. Und mit etwas Glück trifft man Nicolas Cage.

Zum Geburtstag wurde ich von Nadine und Bruno an eine Premiere eingeladen. Ich hatte keine solche Vorfreude mehr auf einen Film seit ich als kleiner Knirps mit meinen Eltern König der Löwen im Kino schauen durfte. Nach einiger Internetrecherchen entscheideten wir uns für die französische Produktion Samba. Nach zehn Jahren in Frankreich kämpft der Immigrant Samba von Senegal immernoch mit den Behörden. Doch neben einem tragischen Hintergrund findet man viel Humor und natürlich auch eine Liebesbeziehung in diesem Streifen wieder.

Ich wusste aber gar nicht genau, was eine solche Rote Teppich Vorführung von einer normalen Vorstellung unterscheidet. Nun, ausserhalb des Gebäudes sammeln sich vorallem jede Menge Leute an, um dann unzählige Fotos zu schiessen, wenn die Stars in den protzigen Jeeps mit verdunkelten Scheiben vorgefahren werden. Aussteigen, ein wenig lächeln und dann wieder verschwinden. Dieses ganze Theater hatte ich am Vortag bereits mit einem Schmunzeln mitverfolgt. Denn von den befragten Hobbyfotografen konnte mir keiner sagen, um wen es sich bei den Promis eigentlich handelt. So konnten wir problemlos auf diesen Teil verzichten und schlenderten etwas durch die Strassen, bis wir uns dann auch brav in die Schlange vor der Roy Thomson Hall stellten. Innerhalb des Saals nun zeigten sich die Vorzüge einer solchen Premiere. Die Hauptdarsteller und der Regisseur des Films waren vor Ort und auch sichtlich aufgeregt. Denn es war immerhin das erste Mal überhaupt, dass diese Produktion in der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Sie freuten sich sehr, Teil des Filmfestivals zu sein und erzählten etwas von ihrem Projekt. Dann nahmen sie selber im Publikum Platz. Über den Film selber möchte ich hier aber keine weiteren Worte verlieren, schaut ihn euch selber an. Es ist eine tragische wie auch lustige Geschichte und auf jeden Fall empfehlenswert. Den Trailer findet ihr am Ende dieses Artikels. Die Filmcrew wurde nach der Vorführung mit tobendem Applaus und einer Standing Ovation gefeiert.
Als weiterer Film schaute ich mir Good Kill mit Ethan Hawke an. Klingt vielleicht nach einem klassischen Actionstreifen, ist es aber überhaupt nicht. Es geht um die moderne Kriegsführung im nahen Osten mit ferngesteuerten Drohnen. Der eigentliche Kampfjetpilot der US Armee sitzt in Las Vegas in einem Schiffscontainer auf einer Militärbasis und tötet täglich Talibans. Dann fährt er zum Abendessen nach Hause zur Familie. Diese Arbeitsweise bringt psychische Probleme mit sich und er stellt seine Handlungen in Frage. Ein Trailer zu dem Film gibt es noch nicht.

Auf dem Weg zu dieser Vorführung sah ich mehrere Polizeiautos mit der Aufschrift NYPD, also der Polizei von New York. Da diese in einer kanadischen Stadt wenig zu suchen haben ist logisch, und somit war mir auch schnell klar, dass hier gerade eine neue Produktion gedreht wird. Bald konnte ich die Kameras und die ganze Ausrüstung ausfindig machen. Das Zelt mit dem Direktor und den klassischen Klappstühlen mit Aufschriften wie "Cast" oder Namen der Crew waren ebenfalls vorhanden. Eine solche Szene trifft man zwar öfters an in Toronto, doch dass man dann gleich auch Nicolas Cage bei der Arbeit zuschauen darf ist schon eher eine Seltenheit. Es wurde eine Szene zum Film Pay the Ghost gedreht. Mehrmals musste er die Strasse hinunterlaufen und im Gebäude verschwinden. Am Schluss konnten einige sehnsüchtig wartende Studenten noch ein Foto mit ihm schiessen, bevor er dann wieder in einem schwarzen Jeep abgeholt wurde. Einige Fotos zum Tiff findet ihr im Album Toronto. Und wer weiss, vielleicht flimmert Pay the Ghost schon am Toronto Filmfestival 2015 über die Leinwand.


Trailer zum Film Samba

 




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