Donnerstag, 26. November 2015

Terror durch miserable Schlagzeilen!

"Mir reichts!" Das sagte ich mir schon vor einiger Zeit und löschte die 20 Minuten App von meinem Handy. Die Qualität der Artikel nimmt weiterhin ab und Journalisten schreiben, was ihnen gerade so passt. Wer gerne mitteilt, was einem durch den Kopf geht, sollte besser vielleicht einen Blog gründen. Da kann man nämlich schreiben, was man will. So wie ich das gerade zu tun pflege. Aber von einer Zeitung, auch wenn sie gratis ist, erwarte ich schon mehr Recherchenarbeit.
Worum gehts: Obwohl ich mir grosse Mühe gebe, der riesigen Flut von Gratiszeitungen aus dem Weg zu gehen, ist dies als Pendler sehr schwierig. Überall liegen sie herum und die Schlagzeilen springen einem von dem im Tram Gegenüber direkt ins Auge. Bereits die Titel der Artikel lösen bei mir eine Mischung zwischen Wut und Trauer aus. "Jetzt spürt man den Terror schon in der Schweiz", titelt 20 Minuten heute nach dem Vorfall vom Mittwoch am Bahnhof Bern. Auch Blick berichtet von der "Bombendrohung in Bern". Obwohl das gewählte Zitat von 20 Minuten durchaus eine Aussage einer sogenannten Augenzeugin sein mag, ist sie als Titel mehr als untreffend und verfehlt bei Weitem seine Aufgabe. Nämlich in wenigen Worten zu schreiben, um was es im folgenden Text geht. Doch ich möchte nicht nur kritisieren, sondern auch versuchen, es besser zu machen:

Polizeieinsatz am Bahnhof Bern
Gegen 16.40 Uhr rückte die Polizei wegen eines gefährlichen Gegenstandes am Bahnhof Bern aus. Sie sperrte das Gebiet grossräumig ab und machte mithilfe eines Bombenentschärfungsroboters dem Schrecken ein Ende. Das Gebiet konnte am Mittwochabend wieder freigegeben werden und die Zugänge zum Bahnhof waren wieder offfen. Es kam zu einigen Verspätungen und Ausfällen beim Busbetrieb jedoch gab es keine Einschränkungen im Bahnverkehr.
Das ist die ganze Geschichte kurzgefasst und die Aktion der Polizei war abgeschlossen. Natürlich würde ich als Zeitungsredakteur jetzt einen ausführlichen Bericht erwarten, der das Geschehene wahrheitsgetreu wiedergibt. Doch es geht mir jetzt nur darum zu zeigen, was mich so unglaublich nervt. Der Einsatz der Polizei war ja ganz verständlich. Wenn man bedenkt es wären Menschen zu Schaden gekommen weil die Exekutive die Sache nicht ernst genommen oder die Lage falsch eingeschätzt hätte. Dies besonders noch nach den jüngsten Ereignissen in Paris. Aber obwohl von Seite der Polizei nie von einer Bombe die Rede war, zögerten die Onlineportale nicht mit Panikmacherei. Es folgte eine Eilmeldung nach der anderen. Anhand der Schaulustigen am Bahnhof fragte ich mich dann doch, wie ernst die Lage wohl sein kann. Wie sich heute herausstellte, war sie glücklicherweise harmlos. Neben der Boulevardpresse meldeten auch Bernmobil (Verkehrsbetrieb der Stadt Bern) sowie RBS (Regionalverkehr Bern Solothurn) eine Bombendrohung auf Twitter. RBS korrigierte sich wenig später wieder. Ich stelle mir einfach immer wieder die Frage, warum gerade diese unseriösen Berichte so häufig gelesen werden. Warum neigen wir so zum Übertreiben ins Negative? Wieso bringen Panikmacherei und Schreckensbotschaften mehr LeserInnen als gute Neuigkeiten? Warum sind diese Gratiszeitungen gerade so beliebt?
Auf jeden Fall freute ich mich sehr, als an der ETH wieder einmal die NZZ verteilt wurde. Gute Journalisten brauchts eben doch noch.

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