Sonntag, 17. März 2013

Vom Virus infiziert


Toromont Caterpillar: Besichtigung der Werkstatt
Anfangs waren es noch weit entfernte Träume, als wir beim Familienessen in Kanada über einen möglichen Job bei Caterpillar sprachen. Billys Vater arbeitete viele Jahre bei Toromont CAT nahe Toronto. Ich konnte den Betrieb in meinen Kanadaferien 2010 auch besuchen und begann das erste Mal ernsthaft mit dem Gedanke zu spielen, hier einmal zu arbeiten. Da ich damals noch nicht einmal mit meiner Lehre als Lastwagenmechaniker begonnen hatte, war dieser Gedanke nur schwach und wurde schnell wieder irgendwo im Hinterkopf verstaut.
Doch war er eben nur verstaut und nicht gelöscht. Denn in seiner dunklen Ecke fing dieser Gedanke an, feste Wurzeln zu bilden und entwickelte sich langsam aber stetig weiter. So kam es, dass er sich ohne meines Wissens verankerte und plötzlich war es Weihnachten 2012 und ich setzte mich einfach mal an den Computer, um meinen Lebenslauf auf Englisch zu übersetzen. Einfach so, ohne irgendeinen konkreten Plan. Und dann ging es plötzlich unglaublich schnell. Ich nahm Kontakt zu meinen Freunden Sarah und Billy auf und fing an, die Dokumente wie Lebenslauf, Bewerbungsbrief und Arbeitszeugnis zur Korrektur via Mail nach Kanada zu schicken. Retour kamen Verbesserungsvorschläge, begleitet von Jobinseraten und Links von Lastwagenwerkstätten. Kurzerhand entschloss ich mich noch im Januar ein fünftes Mal nach Kanada zu fliegen und buchte spontan einen Flug. Es wird wohl vorerst der letzte gebuchte Retourflug sein. Diesmal waren es nicht Camping und Kanu fahren die auf der To Do Liste standen. Sondern galt es vorallem einen Job zu finden. Zehn Tage vor dem Abflug hatte ich neun Bewerbungen per Post abgeschickt (was mich übrigens stolze 9.50 Franken pro Brief gekostet hat) und diverse weitere online ausgefüllt. Noch eben packte ich seelenruhig Weihnachtsgeschenke aus, da sass ich auch schon im Flugzeug der Air Canada.

Sommer 2010: Erste Symptome des Kanadavirus
Die Reaktionen der Firmen nahmen mir schnell jegliche Zweifel an der Realisierbarkeit meines Projektes. Wo ich telefonischen Kontakt zur Firma herstellen konnte folgte oftmals auch ein Vorstellungsgespräch. Das erste gab mir zwar für kurze Zeit nochmals eine kritische Einstellung, da die Firma überhaupt nicht meinen Vorstellungen entsprach. Doch änderte sich dies sofort wieder nach den darauffolgenden Interviews. So erhielt ich viel Lob für ein beeindruckendes Bewerbungsdossier und durfte bei jeder Firma eine positive Antwort erhalten. Nach einer mehrtägigen Bedenkzeit entschloss ich mich dann für eine Firma und gab am Tag vor meiner Abreise telefonisch Bescheid. Dieser Erfolg wurde auch dementsprechend mit einem "Swiss Dinner" ausgiebig gefeiert. Vielen Dank Sarah und Billy!





Das war Anfangs Februar. Seither breitet sich das Virus immer stärker aus. Es vergeht keinen Tag mehr, ja wohl fast keine Stunde mehr, in der ich gedanklich nicht in Kanada bin. Ich bin momentan mitten im Papierkrieg für die Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung, Reiseunterlagen, Versicherungsabklärungen und Umzugslösungen. Guter Rat ist hier jederzeit herzlich willkommen.

Obwohl ich eigentlich kurz vor der Lehrabschlussprüfung stehe, habe ich Schwierigkeiten mich auf darauf zu konzentrieren. Das Schauen aller Folgen von "Auf und davon" vom Schweizer Fernsehen, die Familien oder Paare beim Auswandern begleitet, ist wohl in dieser Sache keine grosse Abhilfe. Wenn ich das beeindruckende Buch "Ziemlich wild" der Familie Schönbächler lese, die von Biel in die kanadische Wildnis ausgewandert sind, dann wechseln die Gefühle im Sekundentakt zwischen Neid, Vorfreude und Ungewissheit.
Es hat mich voll erwischt, das Fernweh!

Kanadalektüre: Einfach unbeschreiblich

Mittwoch, 13. März 2013

Die ersten Schritte

Als ich dieses Jahr im Januar für zwei Wochen nach Kanada ging, war das grosse Ziel einen Job zu finden. Diesen konnte ich nach 20 Bewerbungen, vier Vorstellungsgesprächen und drei definitiven Zusagen auswählen. Auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch bei Harper Truck Centres fuhren wir an Volvo Trucks vorbei. Spontan gab ich mein Bewerbungsdossier auch bei diesem Betrieb ab. Nun werde ich ab dem 3. September 2013 dort als Lastwagenmechaniker arbeiten. Eine grosse Herausforderung.

Arbeit und Werkzeug
Hier einen Überblick von meinen Bewerbungen. Ich kürzte die Liste in der Breite:

Bewerbungen: Mail = per Post, online = im Internet auf ein Inserat hin, drop off = beim vorbeifahren


Jedoch fuhr ich nicht nur von Werkstatt zu Werkstatt. Ich beginn ebenfalls mit grosser Unterstützung meiner Freunde diverse Angelegenheiten zu erledigen oder abzuklären. So habe ich bereits ein Bankkonto in Kanada, den Lehrplan des "Truck and Coach Technician 310T" (kanadischer Automobilmechatroniker Fachrichtung Nutzfahrzeug), die notwendigen Unterlagen zur Überschreibung meines Führerausweises sowie einen Werkzeugwagen.

In Nordamerika ist es Standard, dass Mechaniker ihr eigenes Werkzeug sowie ihren eigenen Werkzeugwagen mitbringen. So kaufte ich mir also auf dem Weg zum Flughafen kurzerhand einen grossen Werkzeugboy für 900.- kanadischen Dollar, was etwa 840.- Franken entspricht.
Hier wird er gerade bei Performance Equipment abgeladen. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits wieder zurück in der Schweiz.

Toolbox: Ready to unload

Dem Werkzeug betreffend bin ich mir noch unsicher, ob es sinnvoller ist sämtliches Material in Kanada zu organisieren (Occasion und Ausverkauf), oder aber schweizer Ware mitzubringen. Doch nur wie? Hilfreiche Tipps und Möglichkeiten sind herzlich willkommen!

Bankkonto
Ein Besuch bei der nächsten Bankfiliale stand an. Ich zeigte der Desk-Lady meinen Pass und schon sass ich im kleinen Büro der Sachbearbeiterin. Ich sass da und dachte: So muss es sich also anfühlen, wenn man ein Konto im Ausland eröffnet, um sein Geld von den Behörden zu verstecken. Leider gibt es da (noch nicht) viel zu verstecken.

Nach einer etwa einstündigen Unterhaltung mit der  griechisch-kanadischen Sachbearbeiterin von TD Canada Trust, war ich bereits stolzer Besitzer eines Bankkontos in Kanada. Der Aufenthalt in der Bank hätten wir (Billy und ich) locker um die Hälfte der Zeit verkürzen können, hätten wir nur den ernsten Teil der Gespräche geführt!

Post von TD Canada Trust: Ihr Bankkonto ist eröffnet!
 

Führerausweis
Der Führerausweis machte mir wesentlich mehr Probleme. Nachdem ich wegen fehlender offiziellen Übersetzung des schweizerischen Führerausweises (was will man von dieser kleinen Karte schon gross übersetzt haben?!) beim ersten Besuch des Drive Center abgewiesen wurde, war mein einstündiger Besuch am nächsten Tag leider nicht viel erfolgreicher. Nachdem sämtliche Unterlagen endlich ausgefüllt waren, die Gebühr bezahlt wurde und das Foto passte, wollte die nette Damen meinen CH-Führerausweis einziehen und ihn ungültig machen. Es sei nicht erlaubt, in zwei verschiedenen Ländern gleichzeitig einen Führerausweis zu besitzen.
Da diese Amtshandlung weder mir persönlich noch meinem Lehrbetrieb sehr gut gefallen hätte, konnte ich das ganze Prozedere wieder annullieren. Zwar wäre der kanadische Ausweis in der Schweiz sehr wohl enerkannt, jedoch wird mir nur die Auto- und Motorradprüfung übertragen. Die Lastwagenprüfung wäre somit entfallen.
Nun also werde ich diesen Schritt im Herbst wiederholen. Die LkW-Prüfung brauche ich nicht nachzuholen, da es in Kanada einem Mechaniker erlaubt ist, im Umkreis von bis zu 50 Kilometer der Werkstatt auf Probefahrt zu gehen. Und das sollte reichen! 

Sonntag, 3. März 2013

Wieso Kanada?

Gehen wir zurück in das Jahr 2007, als ich noch in der 2. Klasse an der Kantonsschule war. Bei der Auswahl zwischen zwei Wochen Sozialdienst (Bauernhof, Zivilschutz oder ähnliches) leisten und zwei Wochen Ferien geniessen oder aber einen vierwöchigen Sprachaufenthalt absolvieren, war bei mir schnell klar, dass ich mich für letzteres entscheiden werde.
Für die Idee einer Kollegin den Sprachaufenthalt in Kanada zu machen, konnte ich mich nach ein paar Internetrecherchen begeistern. Sie schwärmte nur so von Toronto: Wie freundlich und offen die Leute seien, wie toll das Nachtleben ist und wie lebhaft die Stadt sei. So kam es, dass ich im Herbst (3. Klasse) im Flugzeug sass und mich auf ein erstes Abenteuer einliess.
Alles was ich hatte war die Adresse meiner Gastmutter und die Bestätigung der Schule. Doch ich verliebte mich ebenfalls sofort in das Land. Ich hatte schnell Freunde gefunden und genoss eine tolle Zeit. (Welche wohl einen eigenen Blog gäbe)

So blieb es nicht lange bei dieser einmaligen Reise. Ferienbekannte wurden zu festen Freunde und es folgten bald weitere Flüge über den grossen Teich:

2007: 4 Wochen Sprachaufenthalt in Toronto

2009: 2 Wochen Ferien in Toronto

2010: 2 Wochen Ferien in Toronto (Danke dem Vulkan Eyjafijallajökull der diese verlängert hat)

2011: 2 Wochen Ferien in Toronto und Algonquin Park (Camping)

2013: 2 Wochen Ferien in Toronto (Jobsuche)

Obwohl ich leider noch nicht so viel von dem zweitgrössten Land der Welt sehen konnte, war jeder Trip eine unvergessliche Reise. Natürlich steht eine Reise quer durch Kanada ebenfalls auf meiner ToDo-Liste!

Noch ein paar Erinnerungen von meinem Sprachaufenthalt 2007:

 Toronto Island: Damals noch schlank und rank


                 Niagara Falls: Mit Alberto aus Spanien      
 
  
 
 Freunde fürs Leben: Sarah, Billy, Danny und ich. Bei Sarah und Billy werde ich vorerst wohnen


 Schulklasse der Global Village: Multi-Kulti


Mein neuer Arbeitgeber


 








Adresse:
Performance Equipment
6950 Tomken Road
Missisauga, Ontario
Canada L5T 2S3


Es ist eine grosse Vertretung mit ca. 80% Volvo-Fahrzeugen und etwa 20% Fremdmarken inklusive Mack. Der Betrieb ist in Missisauga, was zur GTA (Greater Toronto Area) gehört. Er befindet sich sehr nahe beim Flughafen "Pearson Internation Airport" von Toronto. Neben der Werkstatt befindet sich ebenfalls der Ersatzteileverkauf und der Verkauf von Neuwagen und Occasionfahrzeugen im selben Gebäudekomplex.

So sieht die ganze Sache von innen aus:
 



Mit der Karte behält ihr die Übersicht! Das Bett markiert beim östlichen blauen Punkt meinen temporären Wohnort in Kanada. Die Arbeit ist 40 Kilometer westlich. Ohne Verkehr sind das 30 Minuten Arbeitsweg.

Der Blog ist eröffnet!

Im August geht es los nach Kanada. Wenn ihr mein Abenteuer mitverfolgen möcht, seid ihr hier genau richtig!

Ich werde in unregelmässigen Abständen meine Erfahrungen, News, Vorfälle und natürlich jede Menge Fotos posten!

Zögert nicht mit Fragen oder Kommentaren, gerne gebe ich Auskunft! Ich bin auch immer froh um ein Feedback, was euch am Blog gefällt oder wo ihr nicht drauskommt oder gar etwas nicht funktioniert!

Ich freue mich auf diese grosse Herausforderung Kanada und halte euch hier auf dem Laufendem, was gerade Sache ist!

Danke für dein Interesse! Vielleicht sieht man sich in Tdot...