| Toromont Caterpillar: Besichtigung der Werkstatt |
Anfangs waren es noch weit entfernte Träume, als wir beim Familienessen in Kanada über einen möglichen Job bei Caterpillar sprachen. Billys Vater arbeitete viele Jahre bei Toromont CAT nahe Toronto. Ich konnte den Betrieb in meinen Kanadaferien 2010 auch besuchen und begann das erste Mal ernsthaft mit dem Gedanke zu spielen, hier einmal zu arbeiten. Da ich damals noch nicht einmal mit meiner Lehre als Lastwagenmechaniker begonnen hatte, war dieser Gedanke nur schwach und wurde schnell wieder irgendwo im Hinterkopf verstaut.
Doch war er eben nur verstaut und nicht gelöscht. Denn in seiner dunklen Ecke fing dieser Gedanke an, feste Wurzeln zu bilden und entwickelte sich langsam aber stetig weiter. So kam es, dass er sich ohne meines Wissens verankerte und plötzlich war es Weihnachten 2012 und ich setzte mich einfach mal an den Computer, um meinen Lebenslauf auf Englisch zu übersetzen. Einfach so, ohne irgendeinen konkreten Plan. Und dann ging es plötzlich unglaublich schnell. Ich nahm Kontakt zu meinen Freunden Sarah und Billy auf und fing an, die Dokumente wie Lebenslauf, Bewerbungsbrief und Arbeitszeugnis zur Korrektur via Mail nach Kanada zu schicken. Retour kamen Verbesserungsvorschläge, begleitet von Jobinseraten und Links von Lastwagenwerkstätten. Kurzerhand entschloss ich mich noch im Januar ein fünftes Mal nach Kanada zu fliegen und buchte spontan einen Flug. Es wird wohl vorerst der letzte gebuchte Retourflug sein. Diesmal waren es nicht Camping und Kanu fahren die auf der To Do Liste standen. Sondern galt es vorallem einen Job zu finden. Zehn Tage vor dem Abflug hatte ich neun Bewerbungen per Post abgeschickt (was mich übrigens stolze 9.50 Franken pro Brief gekostet hat) und diverse weitere online ausgefüllt. Noch eben packte ich seelenruhig Weihnachtsgeschenke aus, da sass ich auch schon im Flugzeug der Air Canada.
| Sommer 2010: Erste Symptome des Kanadavirus |
Die Reaktionen der Firmen nahmen mir schnell jegliche Zweifel an der Realisierbarkeit meines Projektes. Wo ich telefonischen Kontakt zur Firma herstellen konnte folgte oftmals auch ein Vorstellungsgespräch. Das erste gab mir zwar für kurze Zeit nochmals eine kritische Einstellung, da die Firma überhaupt nicht meinen Vorstellungen entsprach. Doch änderte sich dies sofort wieder nach den darauffolgenden Interviews. So erhielt ich viel Lob für ein beeindruckendes Bewerbungsdossier und durfte bei jeder Firma eine positive Antwort erhalten. Nach einer mehrtägigen Bedenkzeit entschloss ich mich dann für eine Firma und gab am Tag vor meiner Abreise telefonisch Bescheid. Dieser Erfolg wurde auch dementsprechend mit einem "Swiss Dinner" ausgiebig gefeiert. Vielen Dank Sarah und Billy!
Das war Anfangs Februar. Seither breitet sich das Virus immer stärker aus. Es vergeht keinen Tag mehr, ja wohl fast keine Stunde mehr, in der ich gedanklich nicht in Kanada bin. Ich bin momentan mitten im Papierkrieg für die Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung, Reiseunterlagen, Versicherungsabklärungen und Umzugslösungen. Guter Rat ist hier jederzeit herzlich willkommen.
Obwohl ich eigentlich kurz vor der Lehrabschlussprüfung stehe, habe ich Schwierigkeiten mich auf darauf zu konzentrieren. Das Schauen aller Folgen von "Auf und davon" vom Schweizer Fernsehen, die Familien oder Paare beim Auswandern begleitet, ist wohl in dieser Sache keine grosse Abhilfe. Wenn ich das beeindruckende Buch "Ziemlich wild" der Familie Schönbächler lese, die von Biel in die kanadische Wildnis ausgewandert sind, dann wechseln die Gefühle im Sekundentakt zwischen Neid, Vorfreude und Ungewissheit.
Es hat mich voll erwischt, das Fernweh!
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| Kanadalektüre: Einfach unbeschreiblich |

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