Ich hatte die Gelegenheit einen Einblick in die Berufsfeuerwehr Toronto zu bekommen. Es war eigentlich eine Ausstellung für Kinder. Mit Schminken, Basteln und Geschichten erzählen und so. Doch es gab auch für mich einige spannende Dinge zu entdecken und die Arbeit als Feuerwehrmann in einer Grossstadt mit mehreren Millionen Einwohnern kennenzulernen. Und dabei natürlich auch die eigene Feuerwehr zu vertreten.
Billy hat sich als Rettungssanitäter immer über die Feuerwehr lustig gemacht. So werden sie auch oftmals Hosemonkeys genannt, was soviel wie Schlauchaffen bedeutet. Ich verteidigte die Feuerwehr natürlich stets. Doch nach einem Gespräch mit einer Feuerwehrfrau konnte ich Billys Ansicht verstehen und realisierte, wieso das Image der Feuerwehr hier nicht so toll ist.
Als Angehöriger der Feuerwehr arbeitet man sieben Tage im Monat. Ja, im Monat! Es sind 24 Stunden Schichten, was im Total 168 Stunden ergibt und man demnach auf die selbe Stundenzahl kommt wie mit einem regulärer Job. Doch zwölf Stunden einer Schicht verbringt man im Bett, also bezahltes Schlafen. Ausser es gibt einen Notruf natürlich. Und die anderen zwölf Stunden sind nicht etwa hartes Training oder Kurse. Es ist mehrheitlich Herumsitzen und sich irgendwie die Zeit vertreiben. So kommt es auch, dass die meisten Feuerwehrleute nebenbei noch einen Teilzeitjob haben und mit anderthalb Einkommen und immernoch ziemlich viel Freizeit ein sehr angenehmes Leben führen.
Dazu kommt, dass die Einsätze der Feuerwehr Toronto oftmals hinterfragt werden. Denn es gibt in Toronto weniger Feuer im Jahr als bei der Feuerwehr Ehrendingen-Freienwil. Durch moderne Brandschutztechnik und strenge Sicherheitsvorschriften sind Brände in der Stadt zu einer Seltenheit geworden. Doch die Feuerwehrleute, oftmals auch selbsternannte Feuerhelden, möchten sich gerne zeigen und möglichst viele Einsätze haben. So wurde die Feuerwehr zu jedem medizinischen Notruf aufgeboten. Das heisst, sobald jemand die Ambulanz anfordert, erschien auch ein Feuerwehrauto mit Besatzung. Und hier spreche ich nicht von einem kleinen Einsatzfahrzeug mit zwei Mann. Ein Lastwagen mit Drehleiter, fünf Mann Besatzung mit Atemschutz und Pionierwerkzeug. Zur Unterstützung der Rettungssanitäter bei einer Herzattacke eines alten Mannes, einer Überdosis Heroin oder einem gebrochenem Arm. Dies störte neben dem Steuerzahler auch die Sanitäter, denn in den meisten Fällen schicken sie die Feuerwehr freundlich wieder zurück. Diese ganze Notrufsituation befindet sich momentan im Wandel, mit erheblichem Widerstand von Seite der Feuerwehr. Denn dies bedeutet mehr Wartezeit und weniger Einsätze.
Neben all dem politischen Getue ist es aber dennoch spannend, wie die Organisation der Feuerwehr in einer solchen grossen Stadt aufgebaut ist. Es gibt relativ viele Feuerwehrstationen, jeweils aber nur mit einem bis zwei Einsatzfahrzeugen. Der Schichtplan ist so aufgebaut, dass immer die gleichen Leute zusammenarbeiten und bei Stationen mit mehreren Fahrzeugen wechseln die Teams monatlich die Fahrzeuge untereinander. Abgesehen von den medizinischen Notrufen gehören Verkehrsunfälle sicher zu der häufigsten Einsatzarten. Hier ist die Wichtigkeit auch unbestritten und durch die vielen Stationen ist immer Hilfe in kurzer Zeit vor Ort.
| Übungshaus: Leiterstellung, Abseilen, Sicherung |
| Kommandofahrzeug: Mit viel Technik ausgestattet ... |
| Drehleiter: Bis zu 32 Meter Höhe |
| ... die eine Umgebungsüberwachung beinhaltet. |
| Beifahrer: Laptop für Einsatzangaben |
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