Donnerstag, 6. November 2014

Kopfschmerzen, schlaflose Nächte und Vorfreude


Ich durfte einen tollen Sommer mit unzähligen Erinnerungen erleben. So manche Reise konnte ich unternehmen und viele Leute treffen. Manchmal waren es neue Gesichter, manchmal alte Bekannte. Doch als sich der Sommer seinem Ende neigte, musste ich mich wieder auf die Arbeitssuche begeben. Nach meinen gesammelten Erfahrungen war mir klar: Ich möchte nicht mehr in einem solch grossen Betrieb arbeiten. Das Team war zwar super, doch irgendetwas fehlte einfach und die Arbeit war wenig abwechslungsreich. Ich konnte unglaublich profitieren und lernte viel Neues dazu, doch es schlich sich auch eine unangenehme Routine ein.
Ich schaute mich nach Jobs im Westen Kanadas um, genauer in British Columbia und Alberta. Schnell wurde mir klar, dass zwar jede Menge Arbeit vorhanden ist, jedoch meistens nach Leuten mit dem kanadischen Mechanikerzertifikat gesucht wird. Auch müsste ich mein Visa erneuern, erhalte ich als Schweizer nur eine „geschlossene“ Arbeitsbewilligung. Das heisst, der Arbeitgeber ist in der Bewilligung vermerkt und es ist dem Arbeitnehmer ausschliesslich erlaubt, bei dieser Firma zu arbeiten. Die „offene“ Arbeitsbewilligung erlaubt einem das wechseln des Arbeitgebers nach Belieben solange die Bewilligung zeitlich gültig ist. Für mich hiess das also: Neuer Job – neue Bewilligung.
Meinen Teil dieses Verfahren kannte ich ja bereits. Ich wusste, welche Papiere ich vorweisen müsste und wie dieser Prozess abläuft. Jedoch brauchte ich dafür erst eine andere Bewilligung, die sogenannte Labour Market Opinion (LMO), frei übersetzt ein Gutachten des Arbeitsmarktes. Dies erlaubt einer kanadischen Firma, eine ausländische Arbeitskraft einzustellen. Man will damit zum Einen die kanadischen Arbeitern bevorzugen und zum Anderen das Einstellen von unterbezahlten ausländischen Arbeitskräften verhindern. Der Grund, wieso eine Firma mich einstellen müsste, wäre klar: Es gibt einfach zu wenig ausgebildete kanadische Fachkräfte.
Dieses Dokument (LMO) brauchte ich bereits bei meiner ersten Arbeitsbewilligung und erhielt es damals auch von Volvo zugesandt. Nach einigen Recherchen wurde mir nun aber klar, dass dies gar keine einfache Angelegenheit wäre. Der Antrag kostet die Firma über tausend Dollar. Dazu müssen sie noch für zwei Wochen ein Inserat schalten und es fallen weitere Gebühren an. Für einen grossen Konzern wie Volvo war das wohl kein Problem, denn solche Firmen können Bewilligungen im Voraus einholen und dann nur noch für den bestimmten Arbeitnehmer ausstellen. Eine kleinere Firme trägt mehr Kosten und wartet länger auf die Dokumente. Zudem trägt sie die Kosten, ob die Bewilligung nun erteilt wird oder nicht.
Trotzdem habe ich mich an vielen Orten beworben, im Ganzen waren es gar 50 Unternehmen die meine Unterlagen erhalten hatten. Bald zeichnete sich ein wiederkehrendes Muster ab: Die Firmen sind interessiert, die Bewerbung sei beeindruckend. Aber wenn nicht die fehlende kanadische Lizenz das Problem war, dann war es die Arbeitsbewilligung. Entweder waren sie nicht bereit, diese Kosten zu tragen, oder die Wartezeit und der Papieraufwand waren einfach zu gross. Andere wollten gar nichts mit Arbeitsbewilligungen zu tun haben und wieder andere sagten, sie würden nur Ausländer mit der offenen Arbeitsbewilligung einstellen.

Während meiner Zeit hier habe ich mir auch einige Gedanken über meine entferntere Zukunft gemacht. Immer mehr drängte sich das Interesse für ein Studium in den Vordergrund. Sinnvollerweise würde ich dieses nächsten Herbst beginnen, und somit wäre meine Arbeitszeit in Kanada nur noch bis zum Sommer 2015.
Nach manchen Telefonaten, vielen E-Mails und einigen Vorstellungsgesprächen war also klar: Wenn ich in Kanada bleiben wollte, dann müsste ich wohl zurück zu Volvo, wo ich bereits gearbeitet habe. Diese Bewilligung ist nach wie vor gültig und ich könnte im Falle einer erneuten Anstellung sofort wieder zurück in die Werkstatt. Der Zeit- und Kostenaufwand um eine neue Arbeitstelle für nur 6 Monate anzutreten wäre einfach zu gross. Nach dem Abwägen aller Möglichkeiten kamen also schliesslich zwei Optionen in Frage:
- Bis im Sommer in Kanada bleiben, um dann für ein Studium in die Schweiz zu kommen. Die Arbeit wäre wieder bei Volvo / Mack in Mississauga.
- Jetzt zurück in die Schweiz, um noch bis im Sommer als Mechaniker zu arbeiten und dann mit dem Studium beginnen.
Eine Schwierige Entscheidung. Die ganze Geschichte hatte mir schon so einige schlaflose Nächte beschert. Doch ich kam zum Schluss, dass mir eine unwohle Arbeitsstelle die Zeit in Kanada einfach nicht Wert wäre! Und somit habe ich mich dazu entschieden, meine Koffern zu packen und wieder zurück in die Schweiz zu kommen. Diese Option habe ich mir ja während meinem ganzen Projekt stets als Möglichkeit in Betracht gezogen. So sehe ich das nicht etwa als Abbruch oder Fehlschlang an, ganz im Gegenteil. Ich habe mich hier in Kanada auf mein nächstes Ziel weiterentwickelt. Und dies in einem tollen Land mit grossartigen Erfahrungen.
Ich freue mich natürlich auf meine Familie und Freunde in der Schweiz. Doch habe ich auch hier in Kanada Familie und Freunde gefunden, die ich nur schweren Herzens verlassen kann. Aber ein Ziel vor Augen zu haben hilft extrem, und ich beginne bereits mit den Umzugsvorbereitungen. Auto und Werkzeuge müssen verkauft werden, einige Dinge abgeklärt und so manche organisiert werden. Doch der Flug ist bereits gebucht und ich werde am Samstag, dem 22. November 2014 in Zürich landen.
Ich freue mich darauf!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen