Sonntag, 28. Dezember 2014

Bereit fürs neue Jahr

Bereits nach kurzer Zeit hatte ich mich in der Schweiz wieder bestens eingelebt. Ich konnte praktisch alle meine Freunde wieder treffen und habe so manche Wiedersehensessen hinter mir. Es ist sehr schön, Freunde und Familie wieder nahe zu haben. Doch leider sind auch einige andere Freunde nun dafür ganz weit weg.
Aber von vergangenen Zeiten zu träumen bringt einem nicht weiter. Ein paar Tagen nach meiner Ankunft hatte ich mich bereits mit meiner Situation hier auseinandergesetzt. Ich bewarb mich für mehrere Stellen und besuchte die Studienberatung der ETH und der Fachhochschule. Mein Plan ist es, bis im nächsten Herbst wieder als Mechaniker zu arbeiten und dann ein Studium Richtung Maschinenbau zu starten. Dank grosszügiger Unterstützung der Filialleitung meines alten Arbeitgebers Mercedes-Benz in Wettingen fiel die Jobsuche auch relativ leicht aus. Ich konnte mich bei drei Filialen vorstellen und erhielt auch drei Zusagen, was mir eine attraktive Auswahl bot. Aus Gründen der Neugierde und der tollen Wohnsituation entschied ich mich die Stelle bei der Mercedes-Benz Filiale in Bern anzunehmen. Dort werde ich per Anfang Januar als Lastwagenmechaniker tätigt sein. Ich freue mich auf diese neue Herausforderung.
Der Umzug in die Regierungsstadt - es ist übrigens eigentlich nicht die Hauptstadt der Schweiz - ist bereits erfolgt. Ich folgte meinem Bruder Bruno, der bereits mit seiner Freundin (einer Bernerin) in der Bärenstadt wohnt. Sie hatten ein Zimmer zu vermieten, ich suchte eine unkomplizierte Wohnsituation ohne bestimmte Vertragsdauer und hatte ein Jobangebot in Bern. Die wohl perfekte Ausgangslage also. Und so fiel der Umzug auch sehr einfach und ohne grossen Aufwand statt, was man von meinen beiden letzten Umzügen weniger behaupten kann. Die Möbel waren grösstenteils vorhanden und ich erwachte am letzten Dienstag bereits in der schönen Parterrewohnung in Bern.
Wieder gilt es für mich auf Erkundungstour zu gehen und die Stadt unsicher zu machen. Was die Berner Skyline gegen Toronto einbüsst, macht sie locker mit ihrer heimeligen und belebten Altstadt wett. Obwohl die Landschaft natürlich nicht mit den Weiten Kanadas zu vergleichen ist, gilt auch hier: Besuch ist immer herzlich willkommen!


Mittwoch, 26. November 2014

Home Sweet Home

Es ist also Tatsache, ich bin zurück in der Schweiz. Ich konnte meine drei letzten Tage in Kanada leider nicht wirklich geniessen, hielten mich Dinge wie das Verkaufen meines Autos und all die Formalitäten und der Papierkrieg ziemlich auf Trab. Mein Auto konnte ich verkaufen, meine Werkzeugkiste befindet sich aber weiterhin in Billys Garage und es gilt da noch eine gute Lösung zu finden. Ich meldete mich beim Generalkonsulat in Montreal ab, schloss mein Bankkonto und kündigte Kreditkarten und Natelabonnement. Am Donnerstag konnte ich dann endlich alles abschliessen und nach einem feinen Fondue zum Znacht feierte ich mit Freunden den Abschied in der nahegelegenen Bar. Sarah und Billy spielten einige Songs und wir verweilten bis der Laden um zwei Uhr morgens dicht machte. Obwohl der Abschied früher als erwartet eintraf hatte ich in Kanada eine unglaubliche Zeit und konnte in vieler Hinsicht profitieren.

Wenige Stunden danach erwachte ich das letzte Male an der Hiawatha Road in Toronto und packte den Rest meiner Sachen zusammen. Billy brachte mich nach einigen Abschiedstränen zum Flughafen und mit Ach und Krach konnte ich meine vollen Koffern aufgeben. Die Übergepäckgebühren machten dabei mehr aus als das eigentliche Flugticket. Doch das hatte ich erwartet, denn ich rechnete die verschiedenen Varianten mit First Class und anderen Fluggesellschaften im Voraus durch und hatte mich für die günstigste Lösung entschieden. Mit meinen Flugmeilen konnte ich einen preiswerten Direktflug in der Economy Class buchen, musste aber einiges für die zusätzlichen Gepäckstücke bezahlen.
Acht Stunden neben einer netten Frau mit Flugangst und einigen unbequemen Schlafminuten später landete ich bereits in Zürich und wurde von meinen Eltern, meiner Schwester Bettina und den Freunden Sebastian, Mario und Vanessa erwartet. Vielen Dank für den Empfang!

Nachdem ich etwas Schlaf nachgeholt hatte ging es auf nach Bern, wo sich meine ganze Familie zum Racletteznacht traf und die Lichtshow Rendez-Vous Bundeplatz bestaunte. Ein Freund aus Kanada ist auf Europareise und konnte sich uns anschliessen. Wir verbrachten zwei Nächte in Bern und konnten dazu auf die Gastfreundschaft meines Bruders Bruno zählen. Für den späteren Samstagabend gesellte sich auch mein Freund Lukas dazu und wir verfolgten das Ultimate Rap-Battle im Dachstock der Reitschule. Ich fühlte mich wie in Eminems Film 8 Mile. Am Sonntag schlenderten wir durch die Stadt und speisten im alten Tramdepot. Die Rösti kam ihrem Ruf gerecht.  Für den Montagmorgen fuhren wir wieder in die schöne Altstadt, denn es war Zwibelemärit und nacht etwas Glühwein und viel Konfetti trampelten wir auf den gratis gemieteten Velos zum Rosengarten hinauf um die schöne Aussicht über die Stadt zu geniessen. Dann gabs Käsefondue und somit kamen wir in den wenigen Tagen bereits in den Genuss der drei wichtigsten schweizerischen Spezialitäten. Kurze Zeit später trennten sich unsere Wege wieder, mein Freund Steve reiste weiter nach Interlaken während ich mich auf den Weg zurück nach Ehrendingen machte.

Und da sitze ich nun, vorübergehend eingenistet auf dem Sofa meiner Schwester. Die nächsten Tage verbringe ich mit dem Besuchen von Freunden, einem Klassentreffen und der Jobsuche. Wenn sich die Arbeitssiutation einmal ergeben hat, wird sich auch die Wohnsituation dementsprechend anpassen.

Dienstag, 18. November 2014

Der Abschied naht

Der Abreisetag nähert sich ziemlich zügig. Ich bin bereits mit dem Packen der Koffern beschäftigt und kümmere mich um diverse administrative Dinge wie Bankkonto, Versicherung und Natelabonnement. Einige Fragen sind noch ungelöst und bereiten mir Kopfschmerzen. Obwohl ich mich auf Familie und Freunde in der Schweiz sehr freue, fällt mir dir Rückreise alles andere als leicht. Am vergangenen Samstag musste ich bereits von vielen Leuten Abschied nehmen. Ich hatte dazu den oberen Stock einer nahe gelegenen Bar reserviert und einige Leute eingeladen. Am Donnerstag, dem Abend vor dem Abreisetag, werde ich dann noch mit Sarah, Billy und einer handvoll Freunden in meiner Stammbar ein Abschiedsbier in der kleinen Runde trinken. Da es wahrscheinlich mehr als eines sein wird, muss ich bis dahin all meine Sachen gepackt und erledigt haben. Am Freitag wird mir dann nicht mehr allzu viel Zeit bleiben, muss ich mich nach dem Zmittag bereits auf den Weg Richtung Flughafen machen.


Ich kam mit viel Gepäck nach Kanada und es kam noch einiges dazu in diesem Jahr. Obwohl ich einen Teil vorübergehend in Toronto lassen werden sind meine Koffern derart vollgepackt, dass der Reisverschluss gerade zugeht, wenn man mit viel Kraft auf den Deckel drückt. Und dann bleibt da jeweils trotzdem noch ein Stapel Kleider daneben übrig der irgendwo reinpassen muss. Trübsal blasen hilft da auch nichts!
In Kanada ist der Winter übrigens bereits eingetroffen. Eine wenige Zentimeter dicke Schneeschicht hat sich über die Landschaft gelegt und die Temperaturen sind bereits im zweistelligen Minusbereich.

Montag, 10. November 2014

Lösung Gewinnspiel

Nun sind die Lösungen des Kreuzworträtsels online. Eine Datei mit allen Antworten und Erklärungen zu den Fragen, eine andere mit dem komplett ausgefülltem Rätsel. Hier nochmals der Link:


Die Teilnahme am Rätsel war leider sehr gering. Das Richtige Lösungswort ist natürlich POUTINE, die kanadische Spezialität aus Québec. Vielen Dank Bettina, Sarah, Mario und den Allegrias fürs Mitmachen. Ihr dürft alle eine persönliche Postkarte und ein kleines Weihnachtsgeschenk erwarten!
Der Sieg des besten Fotos geht ganz klar an Mario, der sogar während dem Lady Gaga Konzert am Rätsel büffelte! 

Allegrias: Konnten viele der Fragen beantworten.
Lukas: Konnte er das Rätsel lösen?







Bettina: War die Erste mit dem richtigen Lösungswort
Mario: Kreuzworträtsel am Lady Gaga Konzert

Donnerstag, 6. November 2014

Kopfschmerzen, schlaflose Nächte und Vorfreude


Ich durfte einen tollen Sommer mit unzähligen Erinnerungen erleben. So manche Reise konnte ich unternehmen und viele Leute treffen. Manchmal waren es neue Gesichter, manchmal alte Bekannte. Doch als sich der Sommer seinem Ende neigte, musste ich mich wieder auf die Arbeitssuche begeben. Nach meinen gesammelten Erfahrungen war mir klar: Ich möchte nicht mehr in einem solch grossen Betrieb arbeiten. Das Team war zwar super, doch irgendetwas fehlte einfach und die Arbeit war wenig abwechslungsreich. Ich konnte unglaublich profitieren und lernte viel Neues dazu, doch es schlich sich auch eine unangenehme Routine ein.
Ich schaute mich nach Jobs im Westen Kanadas um, genauer in British Columbia und Alberta. Schnell wurde mir klar, dass zwar jede Menge Arbeit vorhanden ist, jedoch meistens nach Leuten mit dem kanadischen Mechanikerzertifikat gesucht wird. Auch müsste ich mein Visa erneuern, erhalte ich als Schweizer nur eine „geschlossene“ Arbeitsbewilligung. Das heisst, der Arbeitgeber ist in der Bewilligung vermerkt und es ist dem Arbeitnehmer ausschliesslich erlaubt, bei dieser Firma zu arbeiten. Die „offene“ Arbeitsbewilligung erlaubt einem das wechseln des Arbeitgebers nach Belieben solange die Bewilligung zeitlich gültig ist. Für mich hiess das also: Neuer Job – neue Bewilligung.
Meinen Teil dieses Verfahren kannte ich ja bereits. Ich wusste, welche Papiere ich vorweisen müsste und wie dieser Prozess abläuft. Jedoch brauchte ich dafür erst eine andere Bewilligung, die sogenannte Labour Market Opinion (LMO), frei übersetzt ein Gutachten des Arbeitsmarktes. Dies erlaubt einer kanadischen Firma, eine ausländische Arbeitskraft einzustellen. Man will damit zum Einen die kanadischen Arbeitern bevorzugen und zum Anderen das Einstellen von unterbezahlten ausländischen Arbeitskräften verhindern. Der Grund, wieso eine Firma mich einstellen müsste, wäre klar: Es gibt einfach zu wenig ausgebildete kanadische Fachkräfte.
Dieses Dokument (LMO) brauchte ich bereits bei meiner ersten Arbeitsbewilligung und erhielt es damals auch von Volvo zugesandt. Nach einigen Recherchen wurde mir nun aber klar, dass dies gar keine einfache Angelegenheit wäre. Der Antrag kostet die Firma über tausend Dollar. Dazu müssen sie noch für zwei Wochen ein Inserat schalten und es fallen weitere Gebühren an. Für einen grossen Konzern wie Volvo war das wohl kein Problem, denn solche Firmen können Bewilligungen im Voraus einholen und dann nur noch für den bestimmten Arbeitnehmer ausstellen. Eine kleinere Firme trägt mehr Kosten und wartet länger auf die Dokumente. Zudem trägt sie die Kosten, ob die Bewilligung nun erteilt wird oder nicht.
Trotzdem habe ich mich an vielen Orten beworben, im Ganzen waren es gar 50 Unternehmen die meine Unterlagen erhalten hatten. Bald zeichnete sich ein wiederkehrendes Muster ab: Die Firmen sind interessiert, die Bewerbung sei beeindruckend. Aber wenn nicht die fehlende kanadische Lizenz das Problem war, dann war es die Arbeitsbewilligung. Entweder waren sie nicht bereit, diese Kosten zu tragen, oder die Wartezeit und der Papieraufwand waren einfach zu gross. Andere wollten gar nichts mit Arbeitsbewilligungen zu tun haben und wieder andere sagten, sie würden nur Ausländer mit der offenen Arbeitsbewilligung einstellen.

Während meiner Zeit hier habe ich mir auch einige Gedanken über meine entferntere Zukunft gemacht. Immer mehr drängte sich das Interesse für ein Studium in den Vordergrund. Sinnvollerweise würde ich dieses nächsten Herbst beginnen, und somit wäre meine Arbeitszeit in Kanada nur noch bis zum Sommer 2015.
Nach manchen Telefonaten, vielen E-Mails und einigen Vorstellungsgesprächen war also klar: Wenn ich in Kanada bleiben wollte, dann müsste ich wohl zurück zu Volvo, wo ich bereits gearbeitet habe. Diese Bewilligung ist nach wie vor gültig und ich könnte im Falle einer erneuten Anstellung sofort wieder zurück in die Werkstatt. Der Zeit- und Kostenaufwand um eine neue Arbeitstelle für nur 6 Monate anzutreten wäre einfach zu gross. Nach dem Abwägen aller Möglichkeiten kamen also schliesslich zwei Optionen in Frage:
- Bis im Sommer in Kanada bleiben, um dann für ein Studium in die Schweiz zu kommen. Die Arbeit wäre wieder bei Volvo / Mack in Mississauga.
- Jetzt zurück in die Schweiz, um noch bis im Sommer als Mechaniker zu arbeiten und dann mit dem Studium beginnen.
Eine Schwierige Entscheidung. Die ganze Geschichte hatte mir schon so einige schlaflose Nächte beschert. Doch ich kam zum Schluss, dass mir eine unwohle Arbeitsstelle die Zeit in Kanada einfach nicht Wert wäre! Und somit habe ich mich dazu entschieden, meine Koffern zu packen und wieder zurück in die Schweiz zu kommen. Diese Option habe ich mir ja während meinem ganzen Projekt stets als Möglichkeit in Betracht gezogen. So sehe ich das nicht etwa als Abbruch oder Fehlschlang an, ganz im Gegenteil. Ich habe mich hier in Kanada auf mein nächstes Ziel weiterentwickelt. Und dies in einem tollen Land mit grossartigen Erfahrungen.
Ich freue mich natürlich auf meine Familie und Freunde in der Schweiz. Doch habe ich auch hier in Kanada Familie und Freunde gefunden, die ich nur schweren Herzens verlassen kann. Aber ein Ziel vor Augen zu haben hilft extrem, und ich beginne bereits mit den Umzugsvorbereitungen. Auto und Werkzeuge müssen verkauft werden, einige Dinge abgeklärt und so manche organisiert werden. Doch der Flug ist bereits gebucht und ich werde am Samstag, dem 22. November 2014 in Zürich landen.
Ich freue mich darauf!


Mittwoch, 29. Oktober 2014

Gewinnspiel

!!! Das grosse Kreuzworträtsel !!!

Nachdem ich mir in den letzten Monaten immer die Finger wund getippt habe, habt nun Ihr die Möglichkeit zum Schreiben. Ich habe ein Kreuzworträtsel zusammengestellt und fordere alle dazu auf, Euer Wissen zu testen. Wie treu verfolgt Ihr meine Beiträge? Wie genau lest Ihr meine Berichte? Könnt Ihr Euch die Details auch merken? Das Rätsel wird es zeigen!

Die meisten Fragen beziehen sich auf mein Leben und meine Abenteuer in Kanada. Es gibt aber jedoch auch allgemeine Aufgaben wie sie in jedem anderen Worträtsel vorkommen könnten.


Die Regeln:
- Wenn nicht anders erwähnt, wird ein Begriff auf Deutsch gesucht
- Wörter enden entweder bei einem schwarzen Kästchen ODER bei einer dicken Linie
- Graue Kästchen ohne dicke schwarze Linie bedeuten NICHT das Ende des Wortes
- Die farbig nummerierten Kästchen ergeben ein Lösungswort

Beispiel: So könnte es im Rätsel aussehen

Alle Teilnehmer, die mir das korrekte Lösungswort mitteilen (per SMS, per E-Mail oder per Telefon), erhalten eine persönliche Postkarte zugeschickt. Unter den Teilnehmer mit dem richtigem Lösungswort ziehe ich zusätzlich noch drei glückliche Gewinner, die ein kleines Weihnachtsgeschenk erwarten dürfen!

Einsendeschluss ist am Samstag, 8. November 2014, 18.00 Uhr (Schweizer Zeit)

Ich würde mich über Fotos wie ihr am Lösen des Kreuzworträtsel seid, oder vom komplett ausgefüllten Rätsel mit Gewinnergrimasse, sehr freuen. Diese können bei der Arbeit, auf der Toilette oder auf dem bequem Sofa geknipst sein, wo man nun eben mal Kreuzworträtsel löst. Gerne würde ich diese Fotos anschliessend auf den Blog laden und die drei Gewinner ebenfalls namentlich erwähnen. Falls dies unerwünscht ist, bitte dann gegebenfalls melden.

Und so funktionierts:
Den Link anklicken, beide Dateien herunterladen, ausdrucken und los gehts!

Hier der Link um die Dateien von OneDrive herunterzuladen: http://1drv.ms/1DZTY5p


Ist es viel zu einfach oder gar zu schwierig? Kommentare sind erwünscht!


Viel Glück und Erfolg!

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Campertrip und Städtereise

Der 20. September 2014 war lange bereits in meiner Agenda farbig markiert. Als abschliessende Reise für diesen unglaublichen Sommer war der Trip mit meinen vier Freunden  Lukas, Mario, Samuel und Sebastian geplant und an dem Samstag war es dann endlich soweit. Die Eckdaten unseres Zeitplans hatten wir bereits früh festgelegt, aber was genau dazwischen geschehen würde war noch völlig offen. Wir hatten uns für die Mietung eines Wohnmobils entschieden und setzten die Städte Toronto, Montreal und New York auf die Ferienliste. Die Fotos zur Reise findet ihr hier!


Die ersten paar Tage verbrachten wir in Toronto und ich machte den Touristenführer. Da ich das nun schon mit allen Besuchern gemacht hatte, weiss ich genau wo die guten Aussichtspunkte und die interessanten Orte sind. Nach über einem Jahr in Toronto kenne ich die Stadt natürlich auch schon sehr gut und doch macht es mir immer Spass, neue Leute herumzuführen und die kanadischen Sitten näher zu bringen. Ausserdam gibt es auch für mich jedesmal wieder Neues zu entdecken. Wir speisten im chicen Restaurant auf dem CN Tower, welches sich langsam um die eigene Achse dreht. So sitzt man 350 Meter über der Stadt und hat einen herrlichen Ausblick über ganz Toronto. Eine komplette Umdrehung dauert 45 Minuten und dadurch, dass wir für den frühen Abend reserviert hatten, konnten wir die Verwandlung vom beschäftigtem Alltagsleben der Stadt zur eindrücklichen Nachtsilhouette direkt mitverfolgen. Ausserdem düsten wir dem Velos über die Insel vor Toronto, die als Naherholungsgebiet der Stadt gelten, schlenderten durch die Gassen des Kensington Marktes und verbrachten die Abende mit Beizentours und Billiard spielen. Samuel konnte sogar seinen Geburtstag in Toronto feiern. Ebenfalls besuchten wir Billy bei der Arbeit und durften eine kleine Führung im Krankenwagen geniessen. Ich glaube es gibt wenige Dinge die Billy lieber macht, als Leuten seine Arbeitswerkzeuge vorzustellen. Die zufällig anwesenden Polizisten gewährten uns dann auch einen Einblick in ihr Fahrzeug, erklärten ihre Ausrüstung und erzählten vom Berufsalltag. Als Gegenleistung für das traditionelle Truthahnessen, welches wir von Sarah und Billy aufgetischt bekamen, servierten wir den Gastgebern ein feines Raclette mit schweizer und kanadischem Käse.


23. - 25. September; Niagarafälle und unterwegs

Am Dienstag gingen wir dann los um unser reserviertes Wohnmobil abzuholen. Obwohl wir eigentlich wussten, was wir gemietet haben, waren wir von der grösse des Fahrzeuges doch ziemlich überrascht. Es hatte für alle fünf Personen Schlafplätze, eine kleine Küche, eine Toilette und Dusche. Das eine Bett liess sich zu zwei Sitzbänken mit Esstisch umbauen, ein anderes zum bequemen Sofa. Eigentliche Sitze wie man es vom Auto kennt hatte es nur zwei, die anderen konnten auf den Sitzbänken oder dem Sofa Platz nehmen. Wir fuhren zuerst wieder zurück zur Hiawatha Road um alles Material und unser Gepäck einzuladen. Endlich startklar fuhren wir in unserem Pfuusbus los Richtung Niagarafälle. Da es schon relativ spät abends war, entschieden wir uns einfach aus Toronto zu kommen und übernachteten im Bronte Creek Provinzpark nahe Oakville. Das Wohnmobil löste manche Probleme, mit denen ich zuvor auf meinen Roadtrips mit dem Auto zeitintensive Lösungen brauchte. Zum Beispiel hatten wir einen Kühlschrank, der mit Propan lief. So gab es keine Kühltruhen mehr, die ständig mit neuem Eis ausgestatten werden mussten. Zudem hatten wir stets fliessendes Wasser und bei kurzfristigen Stopps musste nicht zuerst alles aufgebaut werden, um im Trockenen kochen oder schlafen zu können.

Am nächsten Tag schafften wir es dann problemlos zu den berühmten Wasserfällen, bei welchen ein ganze Touristenstadt mit Kino, Geisterhaus, Spielpark und Minigolf erbaut wurde. Mich persönlich beeindrucken die vielen Hotels weniger, dafür aber die Stromnutzung der imensen Wasserkraft der Fälle umso mehr. Nämlich wird tagsüber bis zu die Hälfte des Wassers abgezweigt und in Kraftwerken zur Stromproduktion verwendet. Das liefert Elektrizität für über 160'000 Haushalte. Nachts und ausserhalb der Touristensaison steigt dieser Wert nochmals an, doch in einem Abkommen zwischen Kanada und den USA ist die zu nützende Wassermenge geregelt, damit die Fälle weiterhin eine Touristenattraktion bleiben.
Unser nächstes Ziel war der Algonquin Park. Obwohl ich dieses Jahr schon einige Tage dort verbrachte, ist es ein Ort von dem man nie genug bekommt. Wir übernachteten auf dem Weg dorthin in der Nähe von Orillia. Statt wie bei der ersten Übernachtung auf einem Zeltplatz zu campen, beschlossen wir uns bei eigentlichen Reisestopps, die ja nur zum Essen und Schlafen dienten, einfach irgendwo ausserhalb eines Dorfes oder einer Stadt einen geeigneten Ort zu finden. So konnten wir uns einige Dollars sparen und hatten teilweise gar auch eine schönere Kulisse.


25. - 29. September; Rock Lake Zeltplatz und Whitney

Wir checkten für drei Nächte auf dem Rock Lake Zeltplatz im Algonquin Park ein. Das Wetter war für die Jahreszeit hervorragend. Es gab während dieser Zeit keine Wolke am Himmel zu sehen und die Bäume strahlten richtig in den Farben des Indian Summers. Noch nie hatte ich einen solchen Besucheransturm im Park gesehn, sogar der Feldweg zum Zeltplatz war vollgeparkt. Um noch eine bessere Aussicht zu haben, unternahmen wir eine kleine Wanderung auf die nahegelgenen Felsen. Obwohl ich vor einem Jahr bereits einmal dort war, hatte mir das Landschaftbild fast die Sprache verschlagen. Der Kontrast vom blauem Wasser des Sees zu den knallgelben und roten Blätter der Bäumen ist einfach nur wunderschön.


Obwohl die Wassertemperatur nun gegenüber während den Sommermonaten beträchtlich gesunken war, hielt uns das vor einem Bad im kühlen Nass nicht ab. Zudem verbrachten wir die Zeit zwischen den Mahlzeiten mit Karten spielen, Holz sammeln, Musik hören, fischen und faulenzen. Bald wurde ich zum Truppenkoch, konnte mich dafür aber von jegendlicher Putzarbeit ungestraft fernhalten. Obwohl wir nicht immer alle einer Meinung waren lebte es sich ausgesprochen gut so und wir konnten unsere Zeit auf dem Zeltplatz geniessen.
Nach einer eher chaotischen Planungssitzung entschlossen wir uns, nach den drei Nächten im Park für eine Übernachtung ins nahegelegene Whitney zu fahren, dort unseren Proviant aufzurüsten und Kanus zu mieten um dann für zwei weitere Nächte im Park interior zu gehen. Auf dem Weg dorthin konnten wir ein weiteres Highlight verbuchen. Nachdem ich einige Autos am Strassenrand sah, hielt ich mit unserem Pfuusbus sofort an um die Attraktion der Besucher zu erspähen. Schnell fanden wir die Elchkuh zwischen den nahegelegenen Bäumen und konnten ihr für eine Weile beim Fressen zusehen. Sie liess sich von den Menschen nicht stören und schritt gemütlich durchs hohe Gras.

In Whitney dann leerten wir im lokalen Lebensmittelladen die Regale und suchten uns einen gemütlichen Ort um den restlichen Tag und die kommende Nacht zu verbringen. Wir fanden einen schönen Platz an einem kleinen See, der uns gleich ein weiteres berühmtes Tier aus Kanada näher brachte. Während wir bei einer Runde Poker den Bluff des anderen zu erkennen glaubten, schwamm ein Biber seelenruhig an uns vorbei und suchte sich Pflanzen zum Fressen. Ich konnte zwar bereits eindrückliche Spuren an den Bäumen dieser Tiere begutachten, doch so nahe dem Nagetier zu sein war schon sehr speziell.




29. Septmeber - 2. Oktober; Backcountrycamping Gailery Lake und Nahe Ottawa

Wir parkten also unser Wohnmobil und ladeten Zelte und Gepäck in die zwei gemieteten Kanus ein. Normalerweise ist man zu zweit in einem Kanu. Da wir aber zu fünft in unserer Gruppe unterwegs waren, hatten wir ein zweier und ein dreier Kanu. Der, der das Kanu steuert sitzt ganz hinten, die anderen brauchen bloss zu paddeln. Es sieht auf den ersten Anblick kinderleicht aus, ist aber doch etwas gewöhnungsbedürftig. Vorallem hat man mit all den Personen und dem Gepäck doch etwas Gewicht geladen und ein Kippen des Kanus würde die Reise definitiv nicht erleichtern. Doch wir hatten uns bald eingespielt und konnten den Rock Lake in etwa zwei Stunden überqueren. Dann ging es um die Portage. Das heisst das ganze Gepäck wird ausgeladen und zum nächsten See getragen, so auch die Kanus. Da unser Übernachtungssee der Gailery Lake nur etwa 100 Meter vom Rock Lake entfernt ist, war es eine schnelle und einfache Portage. Trotzdem gönnten wir uns eine kurze Pause vor der Weiterfahrt und machten uns dann auf die Suche nach einem geeignetem Zeltplatz am Ufer des Gailerysees. Bald dachten wir uns aber, dass es doch noch viel toller wäre, auf einer der Inseln zu bleiben anstatt am Ufer zu zelten. So fanden wir eine kleine Insel die etwas über 100 Meter lang, an der grössten Stelle vielleicht 50 Meter breit war und genau einen Zeltplatz hatte. Für uns also perfekt. Wir richteten unser Lager für zwei Nächte ein. Die Lebensmittel haben alle ebenfalls mit dem Gepäck mitgenommen. Das war auch sehr gut so, denn hier hatten wir trotz intensivem Versuchen weniger Erfolg mit dem Fischen. Gekocht haben wir auf dem offenen Feuer und die restliche Zeit haben wir uns wieder mit den klassischen Campingbeschäftigungen verbracht: Fischen, Kanu fahren und schlafen.


Nach zwei Tagen in der Wildnis räumten wir unser Lager wieder zusammen und paddelten zurück zum Parkplatz am Rock Lake. Dort wartete unser Pfuusbus und wir alle genossen eine warme Dusche. Wir verliessen nun den Algonquin Park definitiv und machten uns auf Richtung Montreal. An diesem Tag erreichten wir Ottawa und fanden wieder ein abgelegenen Platz zum Übernachten.


2. - 5. Oktober; Montreal, Grenzübergang, Coxsackie und Philadelphia

Montreal liegt nur etwa zwei Stunden von Ottawa und so nutzten wir den letzten Tag mit dem Camper um unsere Kleider zu waschen und die ganze Zeltausrüstung von Montreal nach Toronto zurück zu schicken. Denn wir wollten von Montreal aus mit einem Mietauto nach New York City in den Vereinigten Staaten fahren. Also schliefen wir nochmal im Wohnmobil in der Nähe von Montreal bevor wir uns dann am Freitagmorgen definitiv von unserem Pfuusbus verabschieden mussten. Leider mussten wir von unserer Reiseversicherung gebrauch machen, denn ein geplatzter Reifen eines Lastwagens auf der Autobahn hatte unserem Fahrzeugaufbau einen kleinen Schaden zugefügt. Aber für etwas hat man ja eben solche Versicherungen. Vom Fahrzeugvermieter nahmen wir ein Taxis in die Innenstadt und bezogen unser Hotel. Von Montreal hatte ich so viele gute Dinge gehört, dass eine einzelne Nacht schon etwas wenig war um die Stadt richtig zu erkunden. Wir holten aber das Beste aus der Situation und legten viel Strecke zu Fuss zurück. Den Abend dann verbrachten wir in verschiedenen Bars und folgten dem Tipp einer Serviererin für ein Lokal mit DJ.
Am nächsten Tag regnete es das erste Mal seit wir in Toronto waren und wir beschlossen gleich unser Mietauto abzuholen. Kaum aus Montreal draussen fanden wir uns an der Grenze zu den Staaten wieder. Einige Minuten und ein paar unnötige Fragen später dann befanden wir uns im Land der umbegrenzten Möglichkeiten. Wir fuhren südlich auf dem Highway 87 bis nach Albany, wo wir uns ein Motel für eine Nacht suchten. Das Red Carpet Inn in Coxsackie wurde dann zu unserer Raststätte. Dann ging es weiter nach Philadelphia wo wieder unser Mietauto zurück brachten und mit dem Zug nach New York fuhren.

5. - 8. Oktober; New York City

Und dann war es endlich soweit, wir kamen in Manhattan an. Der Bahnhof Pennsylvania Station, kurz Penn Station genannt, ist wie die Grand Central Station ein wichtiger Verkehrsknoten in Manhattan. Er fungiert vorallem als Durchgangsbahnhof für den West-Ost-Verkehr. Züge kommen im westlich von New Jersey durch den Hudson River Tunnel und östlich von Long Island City durch den East River Tunnel.

Gleich neben der Penn Station befand sich unsere Unterkunft in New York, das Hotel Pennsylvania. Wir bezogen unsere beiden Zimmer und machten uns danach glauch auf, die Stadt zu besichtigen. Es war schon Abend gewesen und so entschlossen wir uns, den kurzen Fussmarsch zum Times Square zu machen. Und dann kam die Reizüberflutung. Toronto mag ja schon eine grosse Stadt zu sein mit digitalen Werbeanzeigen an den Gebäuden und so. Aber was sich uns hier für ein Bild bot war schon beeindruckend. Überall flimmern Models und Produkte über riesige Fernseher und beleuchten den ganzen Platz. Es wimmelt von Touristen und die Geschäfte sind auch spät abeneds noch voller Kunden. Im Prinzip ist es ähnlich wie der Yonge-Dundas Square in Toronto, einfach noch hundert Mal grösser und intensiver. Nach einer Mahlzeit und einem Bier erklärten wir den Tag für beendet und gingen ins Hotel zurück.

Wir konnten unsere Zeit in Manhattan gut nutzen und viele Dinge sehen. Um jeweils etwa 9 Uhr verliessen wir das Hotel und stärkten uns für den Tag bei ausgiebigem Frühstück. Wir besichtigten den Flugzeugträger Interpid, welcher den Angriff der Japaner auf Pearl Harbor überlebt hatte. Auf diesem riesigem Schiff befindet sich ebenfalls die Raumfähre Enterprise, welche als Prototyp für das Space Shuttle Programm der NASA. Natürlich besuchten wir die riesigen Gebäude der Stadt, das Empire State Building und das neue World Trade Center mit dem Ground Zero Denkmal. Der neue Turm strahlt in seinem Glanz und bereitet einem starke Nacken- und Kieferschmerzen wenn man davor steht. Wir liefen durch die berühmte Wall Street wo Millionenbeträge umgesetzt werden und so mancher schon sein ganze Investitionen verlor. Beeindruckend war auch die grosse Halle des Grand Central Terminals, dem grössten Bahnhof der Welt. Mit dem Fahrrad durchquerten wir den Central Park, der meiner Meinung nach zwar sehr schön sein mag, in dieser Hinsicht aber definitiv nicht an die Inseln von Toronto herankommt.
Um noch einen besseren Überblick über die ganze Stadt zu erhalten setzten sich drei von uns in einen Helikopter. Während Mario und Lukas auf dem Boden blieben, genossen Samuel, Sebastian und ich die Aussicht von der Vogelperspektive. Über die Freiheitsstatue dem Hudson River entlang bis zum Yankee Baseballstadium und zurück führte diese zwanzig minütige Tour. Und hier wurde mir nocheinmal richtig klar: Was in Toronto als Downtown gilt, ist hier gerade Mal zwei Häuserblocks gross. Der Stadtteil Manhattan erstreckt sich über 20 Kilometer und ist neben den Bronx, Brooklyn, Queens und Staten Island nur einer der fünf Stadtteilen von New York City.

Als sich dann am 8. Oktober unsere Wege trennten und vier von uns wieder nach Zürich flogen, während ich mich ins Flugzeug nach Toronto setzte, stellte ich eines klar: New York, ich werde wieder kommen!


Freitag, 19. September 2014

Filmfestival Toronto

Das internationale Filmfestival in Toronto, auch kurz Tiff genannt, ist nach Cannes das zweitgrösse Festivals der Hollywoodstars. Weil Toronto Gastgeber dieser Leinwandshows ist und auch viele Filme in der Stadt gedreht werden, wird sie auch Hollywood Nord genannt. Das Tiff zeigte während elf Tagen über 300 Filme von mehr als 60 Ländern aus aller Welt. Natürlich wollte ich mir die Gelegenheit nicht nehmen lassen, mich unter die Crème de la Crème zu mischen.
Das Tiff in Toronto zu verfehlen ist etwa so schwierig wie der Street Parade in Zürich auszuweichen. Strassen werden gesperrt, der Verkehr umgeleitet und die Menschenschlangen für die Vorführungen wachsen auf mehrere hundert Meter an. Und mit etwas Glück trifft man Nicolas Cage.

Zum Geburtstag wurde ich von Nadine und Bruno an eine Premiere eingeladen. Ich hatte keine solche Vorfreude mehr auf einen Film seit ich als kleiner Knirps mit meinen Eltern König der Löwen im Kino schauen durfte. Nach einiger Internetrecherchen entscheideten wir uns für die französische Produktion Samba. Nach zehn Jahren in Frankreich kämpft der Immigrant Samba von Senegal immernoch mit den Behörden. Doch neben einem tragischen Hintergrund findet man viel Humor und natürlich auch eine Liebesbeziehung in diesem Streifen wieder.

Ich wusste aber gar nicht genau, was eine solche Rote Teppich Vorführung von einer normalen Vorstellung unterscheidet. Nun, ausserhalb des Gebäudes sammeln sich vorallem jede Menge Leute an, um dann unzählige Fotos zu schiessen, wenn die Stars in den protzigen Jeeps mit verdunkelten Scheiben vorgefahren werden. Aussteigen, ein wenig lächeln und dann wieder verschwinden. Dieses ganze Theater hatte ich am Vortag bereits mit einem Schmunzeln mitverfolgt. Denn von den befragten Hobbyfotografen konnte mir keiner sagen, um wen es sich bei den Promis eigentlich handelt. So konnten wir problemlos auf diesen Teil verzichten und schlenderten etwas durch die Strassen, bis wir uns dann auch brav in die Schlange vor der Roy Thomson Hall stellten. Innerhalb des Saals nun zeigten sich die Vorzüge einer solchen Premiere. Die Hauptdarsteller und der Regisseur des Films waren vor Ort und auch sichtlich aufgeregt. Denn es war immerhin das erste Mal überhaupt, dass diese Produktion in der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Sie freuten sich sehr, Teil des Filmfestivals zu sein und erzählten etwas von ihrem Projekt. Dann nahmen sie selber im Publikum Platz. Über den Film selber möchte ich hier aber keine weiteren Worte verlieren, schaut ihn euch selber an. Es ist eine tragische wie auch lustige Geschichte und auf jeden Fall empfehlenswert. Den Trailer findet ihr am Ende dieses Artikels. Die Filmcrew wurde nach der Vorführung mit tobendem Applaus und einer Standing Ovation gefeiert.
Als weiterer Film schaute ich mir Good Kill mit Ethan Hawke an. Klingt vielleicht nach einem klassischen Actionstreifen, ist es aber überhaupt nicht. Es geht um die moderne Kriegsführung im nahen Osten mit ferngesteuerten Drohnen. Der eigentliche Kampfjetpilot der US Armee sitzt in Las Vegas in einem Schiffscontainer auf einer Militärbasis und tötet täglich Talibans. Dann fährt er zum Abendessen nach Hause zur Familie. Diese Arbeitsweise bringt psychische Probleme mit sich und er stellt seine Handlungen in Frage. Ein Trailer zu dem Film gibt es noch nicht.

Auf dem Weg zu dieser Vorführung sah ich mehrere Polizeiautos mit der Aufschrift NYPD, also der Polizei von New York. Da diese in einer kanadischen Stadt wenig zu suchen haben ist logisch, und somit war mir auch schnell klar, dass hier gerade eine neue Produktion gedreht wird. Bald konnte ich die Kameras und die ganze Ausrüstung ausfindig machen. Das Zelt mit dem Direktor und den klassischen Klappstühlen mit Aufschriften wie "Cast" oder Namen der Crew waren ebenfalls vorhanden. Eine solche Szene trifft man zwar öfters an in Toronto, doch dass man dann gleich auch Nicolas Cage bei der Arbeit zuschauen darf ist schon eher eine Seltenheit. Es wurde eine Szene zum Film Pay the Ghost gedreht. Mehrmals musste er die Strasse hinunterlaufen und im Gebäude verschwinden. Am Schluss konnten einige sehnsüchtig wartende Studenten noch ein Foto mit ihm schiessen, bevor er dann wieder in einem schwarzen Jeep abgeholt wurde. Einige Fotos zum Tiff findet ihr im Album Toronto. Und wer weiss, vielleicht flimmert Pay the Ghost schon am Toronto Filmfestival 2015 über die Leinwand.


Trailer zum Film Samba

 




Freitag, 12. September 2014

Georgian Bay

Es fehlte noch eines meiner Familienmitglieder auf der Gästeliste im Hause an der Hiawatha Road in Toronto. Nachdem ich bereits meine Eltern, meine Schwester Bettina und meinen Bruder Peter auf Besuch hatte, konnte ich am 14. August auch noch meinen anderen Bruder Bruno empfangen. Mit dabei war seine Freundin Nadine. Die beiden verliessen die Schweiz bereits einen Monat früher und reisten durch Nicaragua und Costa Rica. Die ersten paar Tage verbrachten wir in Toronto, denn die beiden waren erschöpft von ihrer Mittelamerikareise. Doch nachdem die Wäsche gemacht, die Fäden gezogen und alle ausgeruht waren, ging es auf zu einer weiteren Abenteuerreise in Kanada. Die Fotos findet ihr hier!


17. - 21. August; Algonquin Park und Huntsville (Rock Lake und Pen Lake) 

Als erstes Stand ein Besuch bei Sarah, Billy und den Kindern am Rock Lake im Algonquin Park auf der Liste. Nach zwei Tagen auf dem Zeltplatz mit fischen, Boot fahren und Lagerfeuer war die Bekanntschaft mit der kanadischen Natur gemacht und Bruno, Nadine und ich packten unsere Rucksäcke, um etwas tiefer in die Wildnis vorzudringen. Wir mieteten ein Kanu und paddelten bis zum Ende des Sees. Dann kam die sogenannte Portage, wo man das Kanu und die Ausrüstung auf die Schultern lädt und zum nächsten See transportiert.

Diese Portagen können von einigen hundert Metern bis zu mehreren Kilometern sein. Eine Karte des entsprechenden Parkes mit all den Aussenzeltplätzen und Portagerouten ist ein Muss, denn auch hier darf man seine Zelte nicht einfach aufschlagen, wo man gerade will. Bevor man interior geht, auch Backcountry Camping genannt, ist eine Registrierung bei einem der Parkbüros notwendig. Es wird gefragt, wieviele Nächte man auf welchen Seen verbringt. So ist sichergestellt, dass auf dem entsprechenden Gewässer für diesen Tag auch noch ein Aussenzeltplatz verfügbar ist. Die Portage und die Campingplätze sind dann auch vor Ort markiert.

Nachdem wir also unser Boot und das Gepäck zum Pen Lake getragen hatten, waren wir nur noch von der schönen Natur umgeben. Denn an diesen See führt keine Strasse, es gibt keine Häuser und Motorboote sind aber hier auch nicht mehr erlaubt. All die Aussenzeltplätze sind nur per Kanu erreichbar und es gilt, sich streng an die Vorschriften zu halten: Die Lebensmittel müssen über Nacht bärensicher verstaut werden und einem Feuer sollte besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Der Rucksack mit dem Essen wird hoch auf einen Baum gebunden und möglichst weit aussen an einem starken Ast befestigt. Denn Bären sind ausgezeichnete Kletterer und es muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Lebensmittel ausserhalb der Reichweite vom Baumstamm her befestigt werden.

Am anderen Ende des Pen Lakes fanden wir einen geeigneten Platz für uns drei und schlugen das Zelt auf. Nach erfolglosen Versuchen des Fischens mussten wir unser Abendessen aus den mitgebrachten Lebensmittel zusammenstellen. Doch auch das schmeckte uns sehr gut und wir konnten den restlichen Abend gemütlich am Feuer verbringen.
Der nächste Morgen brachte uns zwei Geburtstagskinder. Neben William, der nun stolze zwei Jahre ist, durfte auch Nadine ihr Jubliäum feiern - Mitten in der kanadischen Wildnis. Zum normalen Frühstück gab es einen auf dem Feuer gebackenen Kuchen. Achzig Prozent des Schoggikuchens kam gut heraus. Die Pfanne jedoch überlebte das Kochabenteuer nicht, hatte sie sich mit den restlichen zwanzig Prozent des Kuchens so eng befreundet, dass eine Trennung unmöglich wurde. Nachdem wir uns gestärkt und unser Lager abgebrochen hatten, machten wir uns auf den Rückweg. Es war Sarah und Billys letzter Tag auf dem Campingplatz und wir beschlossen sie im nahegelegenen Huntsville zur gemeinsamen Geburtstagsfeier treffen. Wir buchten Motelzimmer für eine Nacht und fanden uns alle frisch geduscht und geputzt im vereinbarten Restaurant wieder. Nach dem Essen trennten sich unsere Wege definitiv und wir planten unsere Reise zu dritt weiter.


21. - 24. August; Bruce Penninsula

Ausgeruht machten wir uns von Huntsville auf den Weg zur Georgian Bay. Als erstes Ziel setzten wir uns den Bruce Penninsula Nationalpark. Dort angekommen schlugen wir unsere Zelte auf und richteten uns ein. Die Georgian Bay ist bekannt für kristallklares Wasser wie man es von der Karibik kennt. So hat sie viele schöne kleinere Buchten und Wanderwege zu bieten. Wir unternahmen Tagesausflüge vom Zeltplatz aus, sprangen vom Felsen ins erfrischende Wasser und konnten eine schöne Grotte sehen. Die Georgian Bay ist eine grosse Bucht des Lake Hurons, einem der grossen Seen Nordamerikas, und das Süsswasser hat über die tausenden Jahre die Küstenfelsen stark geprägt. So findet man viele speziell geformte Klippen oder eben eine Höhle mit einem Unterwasserzugang, der das Grottenwasser im wunderschönen Licht erscheinen lässt. Es war aber nicht so, dass man etwa ein Tauchrisiko auf sich nehmen muss. Die Grotte war auch relativ einfach zu Fuss erreichbar.
Die Form der Halbinsel bergte aber auch Gefahren in sich.Unzählige Schiffswrack sind an den Küsten von Tobermory bis Owen Sound zu finden. Die vielen Leuchtturme erinnern an eine Zeit, wo die Schiffe noch ohne Navigationsgeräte auf See waren. Nun sind viele dieser Lichthäuser einfach beliebte Objekte für Ferienfotos oder dienen als Museeumshäuser.


24. - 25. August; Manitoulin Island

Nach einem Besuch in der Touristenstadt Tobermory ganz im Norden der Halbinsel beschlossen wir uns die Fähre zu nehmen und die Insel Manitoulin zu erkunden. Eine zweistündige Schiffsfahrt und einem kurzen Schläfchen später kamen wir in South Baymouth an. Wir fuhren gleich weiter und machten uns auf die Suche nach einem Motel auf der Insel mit Seen, die wiederum Inseln mit Gewässer haben. Nach einigen eher teuren Bed & Breakfast Angeboten fanden wir eine Bleibe, die relativ günstig war. Der Manager war ein sehr freundlicher und gesprächsfreudiger Inder und wir fanden uns bald alle zusammen in unserem Zimmer beim Abendessen wieder.
Am nächsten Tag besuchten wir eines der Eingeborenenreservate. Die von den Inuit abstammende Bevölkerung wird hier Natives oder First Nations genannt, da der Begriff Indianer bzw. Indians umstritten ist. Im Laufe der Geschichte wurden mehrere Abkommen unterzeichnet, die die Lebensräume dieser Bevölkerungsgruppen regelt und die Grenzen der Reservate festlegt. Die Gebiete gehören zwar ebenfalls zu Kanada, werden aber von den Einheimischen regiert und von der eigenen Polizei, der Tribal Police kontrolliert. Leider aber ist das Leben in diesen Reservaten nicht so rosig. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch und Alkohol- und Drogenmissbrauch sind einige der grossen Probleme. Die Menschen leben sehr arm und wer nicht bei der Polizei arbeitet oder zu den Stammesführern gehört, versuchen sich ein wenig Geld mit dem Verkauf von handgemachten Souvenirs zu verdienen.
Wir machten eine Wanderung, auf der wir die ganze Zeit von drei besitzerlosen Hunden begleitet wurden. Doch bald stellte sich heraus, dass diese Tiere nicht das Problem waren. Im Wald wurden wir von den hungrigen Mücken geradewegs überfallen, so dass wir bald ein ziemlich zügiges Tempo an den Tag legen mussten. Der gemütliche Hike wurde zu einem qualvollen Lauf und Antibrumm und Parapic waren stets in Gebrauch. Trotzdem aber hatte es sich am Schluss gelohnt, denn die Aussicht von der Plattform über die Insel war unbeschreiblich schön. Obwohl die Wanderroute nur etwa fünf Kilometer lang war kamen wir total erschöpft zurück. Wir brauchten die Arme zur Mückenabwehr wohl mehr, als dass wir die Beine zum Laufen bewegten.


25. - 29. August; Killarney Park

Nachdem wir die Manitoulin Insel im Norden bei Little Current über die Brücke verlassen hatten, machten wir uns auf den Weg Richtung Sudbury. Denn vor uns hatten wir vier Nächte auf dem Zeltplatz im Provinzpark Killarney und wir mussten noch einiges an Proviant einkaufen. Und dann passierte es - mitten auf der Autobahn. Das, was jeder Kanadabesucher sehen möchte und trotzdem eine Seltenheit ist. Ein ausgewachsener Schwarzbär rennte über den Highway und flüchtete ins Dickicht. Die Angst vor Bären ist eher unbegründet, denn die Raubtiere haben mehr Angst vor uns Menschen. Es gilt sie nicht mit Essen anzulocken oder sie mit den Jungtieren zu stören, andernfalls sind es die Bären, die bei einem Aufeinandertreffen davonrennen. Das ist auch der Grund dafür, dass die Begegnung mit einem Bär in der Wildnis unwahrscheinlich ist. Die grösste Chance ist effektiv der Highway, den die Bäre und Elche von Zeit zu Zeit überqueren müssen. Darum ist auch das Fahren in der Nacht und bei Dämmerung nicht empfehlenswert, ist die Überlebenschance für den Menschen bei einem Wildtierunfall dieser Grösse eher gering.

Aufgestockt mit Lebensmitteln kamen wir also im Killarney Park an. Die frühzeitige Reservation stellte sich als gute Entscheidung heraus, war der Zeltplatz nämlich ausgebucht. Wir richteten uns spät abends ein und fanden uns bald in den warmen Schlafsäcken wieder. Der Park hatte ebenfalls einige Aktivitäten wie wandern, fischen und Kanu fahren zu bieten. Daneben vertrieben wir uns die Zeit mit Lesen, Kreuzworträtsel in der Hängematte lösen und Essen. Vorallem letzteres war eine sehr zeitintensive Angelegenheit für uns. Denn wir kochten stets feine Menüs und da wir hier mit der Angelrute mehr Glück hatten, konnten wir auch in den Genuss von frischem Fisch kommen.


29. August - 7. Sept; Toronto

Am Freitag dem 29. August packten wir unsere Sachen wieder in mein Auto und fuhren zurück nach Toronto. Wir hatten grosses Wetterglück während unserer Zeit in der Natur und konnten manche schöne Landschaftsbilder geniessen. Trotzdem waren wir alle froh, wieder zurück nach Toronto zu kommen. Die restlichen Tage verbrachten wir in der Stadt mit Veloausflügen, Salsa tanzen und einmal mehr: Essen. Ob beim Inder auswärts oder die selbergemachte Lasagen zu Hause, die kulinarischen Aspekte kamen sicher nie zu kurz.

Am 7. September brachte ich dann die beiden wieder an den Flughafen. Ich bin mir sicher, dass es Bruno und Nadine sehr gefallen hat, doch auch sie waren froh, nach fast zwei Monate auf Reise wieder auf dem Heimweg zu sein. Vielen Dank für den Besuch!